Sensationelle Filmdokumentation über den Auftragsmord an Luis Amplatz

300 begeisterte Gäste bei der Filmpremiere „Luis Amplatz-Im Labyrinth von Leben und Tod“ in Gries.

Am 7. September 2024 lud die Schützenkompanie „Major Josef Eisenstecken“ Gries in das Kulturheim Gries, um anlässlich des 60. Todestages eines Mannes zu gedenken, der einerseits die Kompanie mitbegründete, andererseits auch Gründungsmitglied des Befreiungsausschusses Südtirol (BAS) und als Aktivist für das Selbstbestimmungsrecht Südtirols eintrat.

Am 7. September 2024 fand eine außerordentliche Filmvorführung vor 300 Zusehern statt. Der Saal des Kulturheimes Gries in Bozen konnte die Besucher kaum fassen. (Bild UT24)
Am 7. September 2024 fand eine außerordentliche Filmvorführung vor 300 Zusehern statt. Der Saal des Kulturheimes Gries in Bozen konnte die Besucher kaum fassen. (Bild UT24)

Für diesen Einsatz um seine geliebte Heimat und deren Menschen musste Luis Amplatz mit seinem Leben büßen. Er wurde am 7. September 1964 auf der Brunner Mahder oberhalb von Saltaus im Auftrag Italiens ermordet.

Als die Grieser Kommandantschaft die Idee vor 18 Monaten aufgriff, einen kleinen Film über den Freiheitskämpfer Luis Amplatz zum 60. Todestag zu gestalten, mussten die Akteure  rasch erkennen, dass sie über sein kurzes Leben eigentlich nur ganz wenig wussten.Viele ungeklärte Fragen tauchten auf.  Fragen, denen sie nachgehen mussten.

Wer nämlich heute in Südtirol oft mit verständnislosem Kopfschütteln die Vehemenz der Minderheitenkonflikte in weiten Teilen Europas verfolgt, der vergisst allzu leicht, wie gespannt die Atmosphäre noch vor wenigen Jahrzehnten auch in Südtirol war: 25.000 Soldaten beherrschten Mitte der 1960er Jahre das Bild. Anschläge, Verhaftungen, Hausdurchsuchungen und menschenrechtswidrige Folterungen waren an der Tagesordnung.

Dargestellt wurden die Attentate jener Jahre oft als Verzweiflungstat einer kleinen Gruppe deutschtümelnder Patrioten und Rechtsextremisten, die versuchten, das Rad der Geschichte zurückzudrehen. Kaum jemand bemühte sich um eine differenziertere Sichtweise.

Werner Neubauer, Mitglied der Schützenkompanie Gries, bei seiner Ansprache. (Bild UT24)
Werner Neubauer, Mitglied der Schützenkompanie Gries, bei seiner Ansprache. (Bild UT24)

Es war dem Regisseur und Drehbuchautor Werner Neubauer deshalb ein besonderes Anliegen – mit einem Abstand von rund 60 Jahren seit dem gewaltsamen Tod des Luis Amplatz – der heutigen Jugend zu vermitteln, welchen nachhaltigen Eindruck die damaligen Ereignisse in Südtirol auf die europäische Öffentlichkeit damals machten und welche Beunruhigung sie zur Zeit des ‘Kalten Krieges‘ in der Nato auslösten.

Die Schützenkompanie Gries will mit der präsentierten Film-Dokumentation Diskussionen auszulösen und bietet deshalb allen Schützenbezirken die Präsentation des Filmbeitrages mit anschließender Diskussion an.

Die Dokumentation über das Leben des Luis Amplatz, welche in Zusammenarbeit mit dem „Filmwerk Kaltern“ gestaltet wurde, soll deutlich die Ursachen und die Entstehung gewaltsamer Minderheitenkonflikte und den Zündstoff, den diese Probleme in sich bergen, aufzeigen. Damit greift sie ein Thema auf, dessen Aktualität gerade heute wieder weit über die Grenzen Südtirols hinausreicht.

Bereits vor 10 Jahren hatte die Schützenkompanie Gries eine Gedenkschrift für Luis Amplatz herausgegeben, deren Verfasser ihr Mitglied Werner Neubauer war, der ehemalige österreichische Nationalratsabgeordnete und FPÖ-Südtirolsprecher.
Bereits vor 10 Jahren hatte die Schützenkompanie Gries eine Gedenkschrift für Luis Amplatz herausgegeben, deren Verfasser ihr Mitglied Werner Neubauer war, der ehemalige österreichische Nationalratsabgeordnete und FPÖ-Südtirolsprecher.

 Die filmische Dokumentation wurde vom Publikum begeistert aufgenommen. Besonders bislang unveröffentlichte Filmaufnahmen, die erstmals gezeigt wurden, boten einen seltenen Einblick in die private Seite von Luis Amplatz. Aber genauso spannend waren die vielen Zeitzeugenberichte, die den Menschen Luis Amplatz nachzeichneten.

Landeshauptmann a.D. Luis Durnwalder brachte es in seiner Ansprache in Gries auf den Punkt, wenn er sagte:

„Die Autonomie ist für die Menschen wichtig, sie wurde aber nicht geschaffen, damit es uns gut geht, sondern, damit wir als Minderheit in einem fremden Staat überleben.“

Eine Autonomie ist keine Selbstverständlichkeit, vielmehr muss dieses Recht immer wieder aufs Neue verteidigt werden, damit dereinst wie Luis auch wir sagen können:

„Freund, grüß‘ mir die Heimat, die ich mehr als mein Leben geliebt!“

Dokumentation: Lebenslauf von Luis Amplatz

1926 wurde Luis Amplatz als Sohn eines armen Wein- und Obstbauern in Gries bei Bozen geboren. In der faschistisch ausgerichteten Schule weigerte sich der junge Bub, die Uniform der faschistischen Jugendorganisation Balilla anzuziehen. Er wurde deshalb mehrfach verprügelt.

Luis Amplatz im Alter von 15 Jahren. (Bild: Archiv Neubauer)
Luis Amplatz im Alter von 15 Jahren. (Bild: Archiv Neubauer)

In der Faschistenzeit hisste der junge Amplatz mehrfach Tiroler Fahnen an den waghalsigsten Orten wie Hochstromleitungen und Felsen.

Nach dem Krieg machte er sich verdient um den Wiederaufbau des Südtiroler Schützenwesens und wurde 1959 Gründungsmitglied der Schützenkompanie Gries und bekleidet die Charge eines Fahnenleutnants.

Luis Amplatz mit Marketenderinnen bei der neu gegründeten Schützenkompanie Gries im Jahre 1959. (Bild: Archiv Neubauer)
Luis Amplatz mit Marketenderinnen bei der neu gegründeten Schützenkompanie Gries im Jahre 1959. (Bild: Archiv Neubauer)

1952 heiratete er Anna Valtingoier und wurde Vater von drei Kindern. Als Kleinbauer bearbeitete er in der Kaiserau sein kleines Obstgut.

1957 nahm er an der Großkundgebung in Sigmundskron teil, auf der Silvius Magnago die Autonomie für Südtirol forderte und zahlreiche Teilnehmer auf Transparenten und Tafeln für die Selbstbestimmung eintraten.

Luis Amplatz hisste unter dem Jubel der 35 000 Teilnehmer die verbotene weiß rote Tiroler Landesfahne. Diese wurde damals von den Carabinieri als Zeichen des „Aufruhrs“ verfolgt und nach Möglichkeit beschlagnahmt.

Bild links: Luis Amplatz entrollt die Tiroler Fahne Bild rechts: Selbstbestimmungsförderung.
Bild links: Luis Amplatz entrollt die Tiroler Fahne Bild rechts: Selbstbestimmungsförderung.

1959 hängte er an seinem Haus in Moritzing bei Gries eine große rot-weiße Fahne an dem Dachgiebel auf und darunter ein Bild mit einem roten Tiroler Adler und der Aufschrift „Hoch Tirol!“ Er wurde angezeigt und zu 2 Monaten Gefängnis verurteilt,

1961 wurde Luis Amplatz in der Schützenkompanie Gries zum Oberjäger gewählt.

Luis Amplatz (vorne im Bild) mit seiner Schützenkompanie.
Luis Amplatz (vorne im Bild) mit seiner Schützenkompanie.

Er schloss sich dem Befreiungsausschuss Südtirol (BAS) an und nahm noch vor der „Feuernacht“ an zahlreichen Anschlägen teil, die sich gegen Einrichtungen des italienischen Staates und faschistische Denkmäler richteten. Er war von den Carabinieri mehrmals verdächtigt, verhaftet, vielfach verhört und mangels jeglicher Beweise wieder freigelassen worden. Im Mai 1961 musste er dann doch nach Österreich fliehen.

Luis Amplatz im Exil in Österreich.
Luis Amplatz im Exil in Österreich.

In der Folge ging er immer wieder zusammen mit Kameraden wie Georg Klotz und Peter Kienesberger heimlich über die Grenze, um Anschläge gegen Strommasten und andere Sachwerte des Staates zu verüben.

Luis Amplatz im Einsatz.
Luis Amplatz im Einsatz.

Es gelang dem italienischen Geheimdienst, einen in Österreich angeheuerten Agenten in seinen Kreis einzuschleusen, welcher Luis Amplatz am 7. September 1964 in einer Almhütte auf der Brunner Mahder oberhalb von Saltaus heimtückisch durch mehrere Schüsse im Schlaf ermordete.

In dieser Almhütte wurde Luis Amplatz ermordet.
In dieser Almhütte wurde Luis Amplatz ermordet.

Luis Amplatz wurde am 10. September 1964 auf dem Oberauer Friedhof in Bozen begraben. Mehr als 20 000 Menschen gaben ihm das letzte Geleit. Das war ein öffentliches Bekenntnis.

Letzter Abschied von Luis Amplatz.
Letzter Abschied von Luis Amplatz.

Gedenken auf der Brunner Mahder

Einladung des Südtiroler Heimatbundes (SHB)
Einladung des Südtiroler Heimatbundes (SHB)

Am 8. September 2024 fand auf den Brunner Mahdern oberhalb von Saltaus im Passeiertal eine Gedenkfeier für Luis Amplatz statt.

Bild SHB
Bild SHB

Das Internetportal UT24 berichtete darüber https://www.unsertirol24.com/2024/09/09/gedenkfeier-60-todestag-von-luis-amplatz/:

„Die Gedenkfeier, zu der alle Teilnehmer einen eineinhalb Stunden langen steilen Bergpfad bezwingen mussten, war vom Südtiroler Heimatbund, Bezirk Meran-Burggrafenamt und den Schützenkompanien St. Martin in Passeier und der Schützenkompanie Riffian organisiert worden. Die Veranstaltung fand neben der Almhütte statt, in der der Grieser Schützenleutnant und Freiheitskämpfer Amplatz am 7. September vor 60 Jahren ermordet wurde, berichtet der Obmann des Südtiroler Heimatbundes, Roland Lang, in einer Aussendung.

Gottesdienst und Grußworte

Das Gedenken wurde durch einen Feldgottesdienst, zelebriert von Pater Christoph Waldner, begonnen. Musikalisch wurde die Messfeier von der Musikkapelle Saltaus begleitet. Nach der Begrüßung der Teilnehmer durch den Bezirksobmann des Südtiroler Heimatbundes (SHB) Sepp Mitterhofer folgten die Grußworte von SHB-Landesobmann Roland Lang.“

Die Gedenkrede hielt Gudrun Kofler, Abgeordnete zum Tiroler Landtag und Enkelin des Freiheitskämpfers Jörg Klotz. Die Heldenehrung nahm Elmar Thaler vor, ehemaliger Landeskommandant des Südtiroler Schützenbundes. Die Ehrenformation der Schützenkompanie St. Martin in Passeier und Riffian feuerte eine Ehrensalve ab.

Vor dem Gedenkmarterl (v. l. n. r.): Gudrun Kofler, Sepp Mitterhofer, Elmar Thaler. (Bild SHB)
Vor dem Gedenkmarterl (v. l. n. r.): Gudrun Kofler, Sepp Mitterhofer, Elmar Thaler. (Bild SHB)




Eine Zeitreise durch die Geschichte: „Als Tirol geteilt wurde“

Am Freitag, den 19. Juli 2024 wurde die Volksschule von Ehrenburg zum Schauplatz einer außergewöhnlichen Buchpräsentation durch die Schützenkompanie Ehrenburg.

Der Saal war bis zum Bersten gefüllt, und unter den zahlreichen Interessierten befanden sich auch die ehemaligen BAS-Aktivisten Klaudius und Herlinde Molling.

Das im EFFEKT-Verlag in Neumarkt in Südtirol erschienene und von Efrem Oberlechner herausgegebene Buch „Als Tirol geteilt wurde“ nimmt uns mit auf eine packende Reise in eine der dramatischsten Phasen der lokalen Geschichte: die Grenzziehung zwischen Österreich und Italien nach dem Ersten Weltkrieg. Mehrere Historiker haben an der Gestaltung dieses Werkes mitgewirkt, dessen textliche Gestaltung Katharina Brenner vorgenommen hat.

Das Internet-Portal „Unser Tirol 24“ berichtete ausführlich darüber.

Efrem Oberlechner erläuterte das Thema der Veranstaltung, bevor Stephan Gostner, der erste Redner des Abends, das Wort ergriff. Gostner berichtete von einem bemerkenswerten Fund auf einem Antiquitätenmarkt in Bologna: das Fotoalbum „Confine Italo-austriaco“.

Stephan Gostner schilderte eindrucksvoll, wie ihm das Fotoalbum in einem Antiquitätengeschäft ins Auge fiel. Das Album enthielt zahlreiche bisher unveröffentlichte Fotos, die die Grenzziehung zwischen Italien und Österreich nach dem Ersten Weltkrieg dokumentieren. Die Fotos waren in einem erstaunlich guten Zustand und boten eine detaillierte visuelle Chronik der Ereignisse und der Menschen, die an der Grenzziehung beteiligt waren.

Gostner erkannte sofort den historischen Wert dieses Fundes. Die Fotos illustrierten nicht nur die physischen Veränderungen der Landschaft, sondern auch die sozialen und politischen Auswirkungen der neuen Grenze. Jede Seite des Albums erzählte eine Geschichte von mühseliger Arbeit, diplomatischen Verhandlungen und persönlichen Schicksalen, die durch die neue Grenzziehung geprägt wurden.

Die Grenzsteinsetzung am Brenner (Quelle: „Als Tirol geteilt wurde“)
Die Grenzsteinsetzung am Brenner (Quelle: „Als Tirol geteilt wurde“)

Die dünne Linie, die Leben veränderte

Diese Grenzziehung war mehr als nur eine geografische Trennlinie – sie war ein einschneidendes Ereignis, das das Leben unzähliger Menschen für immer veränderte. Das von Gostner kürzlich entdeckte Fotoalbum hält Schlüsselmomente dieser Zeit fest und dokumentiert die physischen Manifestationen dieser politischen Entscheidungen. Die exklusiven Fotografien und historischen Dokumente im Buch bieten einen tiefen Einblick in die Herausforderungen und Dramen, die sich entlang dieser neuen Grenze abspielten.

Vermessungsarbeiten am Klockerkarkopf, den Ettore Tolomei „Vetta d’Italia“ („Gipfel Italiens“ als nördlichsten Punkt Italiens) taufte (Quelle: „Als Tirol geteilt wurde“)
Vermessungsarbeiten am Klockerkarkopf, den Ettore Tolomei „Vetta d’Italia“ („Gipfel Italiens“ als nördlichsten Punkt Italiens) taufte (Quelle: „Als Tirol geteilt wurde“)

Eine fesselnde Dokumentation

„Als Tirol geteilt wurde“ zeigt nicht nur die historischen Fakten und Entwicklungen auf, sondern fängt auch die menschlichen Aspekte ein, die mit der Grenzziehung verbunden sind. Das Werk wurde mit vielschichtigen Quellen wie Publikationen, Zeitungsartikeln und unveröffentlichten Dokumenten aus dem Tiroler Landesarchiv geschaffen. Diese sorgfältige Zusammenstellung ermöglicht es, ein umfassendes und lebendiges Bild der damaligen Ereignisse zu zeichnen.




Sonderausstellung „Katakombenschule – Erinnerung und Vermächtnis“

Elmar Thaler in der Ausstellung

Bis zum 17. August 2024 ist in der Engelsburg des Klosters Neustift in Vahrn in Südtirol die vom Schützenbezirk Brixen in Zusammenarbeit mit dem „Südtiroler Schützenbund“ gestaltete einzigartige Sonderausstellung „Katakombenschule – Erinnerung und Vermächtnis“ zu sehen. Wesentliche Beiträge hat der ehemaligen Landeskommandant und heutige Ehrenkommandant der Südtiroler Schützen, Elmar Thaler, dazu geliefert.

Diese Ausstellung, die zuvor schon in Montan zu sehen gewesen war, würdigt jene Männer und Frauen, die in der Zeit des Faschismus, als der Unterricht in deutscher Sprache verboten war, insgeheim auf Bauernhöfen, in Kellern und sogar im Wald heimlich den Kindern das Lesen und Schreiben in ihrer deutschen Mutterspreche beigebracht hatten. Sie waren damals von Verfolgung, Misshandlung, Einkerkerung und Verbannung bedroht gewesen.

Dokumentation in der Ausstellung über Katakombenlehrerinnen und Katakombenschulen

Dokumentation in der Ausstellung über Katakombenlehrerinnen und Katakombenschulen
 Dokumentation in der Ausstellung über Katakombenlehrerinnen und Katakombenschulen

Ein Beispiel für die Verfolgung von Katakombenlehrerinnen ist die aus Margreid stammende Lehrerin Angela Nikoletti, die als „Katakombenlehrerin“ von den Behörden immer wieder schikaniert, verbannt und eingesperrt wurde, sodass ihre labile Gesundheit zusammenbrach und sie am 30. Oktober 1930 im Alter von nur 25 Jahren verstarb.

Die Gemeinde Margreid und der „Südtiroler Heimatbund (SHB)“ ehrten Angela Nikoletti im Jahr 2002 mit einer Gedenktafel, die an ihrem Geburtshaus angebracht wurde.
Die Gemeinde Margreid und der „Südtiroler Heimatbund (SHB)“ ehrten Angela Nikoletti im Jahr 2002 mit einer Gedenktafel, die an ihrem Geburtshaus angebracht wurde.

In der Ausstellung wird ebenfalls der Märtyrerin Angela Nikoletti gedacht
In der Ausstellung wird ebenfalls der Märtyrerin Angela Nikoletti gedacht

Bei der Eröffnung der Ausstellung in Neustift am 24. Juli 2024, zu der zahlreiche Ehrengäste erschienen waren, dankte der Landeskommandant des „Südtiroler Schützenbundes“, Roland Seppi, in seiner Ansprache zuerst allen 400 Frauen und Männern jener Zeit, die mit ihrem jahrelangen selbstlosen Einsatz unsere deutsche Sprache vor dem Untergang gerettet haben. Anschließend forderte der Landeskommandant eine Entschuldigung von Ministerpräsidentin Giorgia Meloni. „Man sagt Ihnen nach, Sie vertreten aufrechte Werte, zu denen auch das Eingestehen von Fehlern gehört. Sie sprechen für die Republik Italien, die sich laut Grundgesetz auch von Diktatur und deren Fehlern distanziert. Hier bei uns in Südtirol hätten Sie auch die Möglichkeit, sich von dieser Zeit zu distanzieren, um somit die drei Volksgruppen endgültig vom Faschismus und seinen Gerüchen zu befreien. Ein kurzer Satz würde genügen, es wäre ein kleiner Schritt für eine Ministerpräsidentin und ein großer für die Republik Italien.“

Landeskommandant Roland Seppi bei seiner Ansprache
Landeskommandant Roland Seppi bei seiner Ansprache

Näheres dazu ist auf der Internetseite des „Südtiroler Schützenbundes“ zu lesen: https://schuetzen.com/2024/07/21/sonderausstellung-katakombenschule-erinnerung-und-vermaechtnis-eroeffnet/

Eine Ehrenformation des Schützenbezirks Brixen schoss eine Ehrensalve zum Andenken an die verstorbenen Katakombenlehrerinnen und Katakombenlehrer
Eine Ehrenformation des Schützenbezirks Brixen schoss eine Ehrensalve zum Andenken an die verstorbenen Katakombenlehrerinnen und Katakombenlehrer

Zu der Eröffnung der Ausstellung waren zahlreiche Ehrengäste gekommen, darunter der Südtiroler Altlandeshauptmann Dr. Luis Durnwalder
Zu der Eröffnung der Ausstellung waren zahlreiche Ehrengäste gekommen, darunter der Südtiroler Altlandeshauptmann Dr. Luis Durnwalder

Die Ausstellung in der Engelsburg des Klosters Neustift in Vahrn ist bis zum 17. August 2024 von Montag bis Samstag jeweils von 10:30 bis 18:00 Uhr geöffnet. Sonntags bleibt die Ausstellung geschlossen. Der Eintritt ist frei. Für Gruppen ab 10 Personen werden kostenlose Führungen angeboten.

Eine Schande:

Wie die österreichische Bundesregierung mit der letzten noch lebenden Katakombenlehrerin verfährt

In Schenna wohnt die letzte noch lebende Südtiroler Katakombenlehrerin Hermine Orian, geborene Mayr. Sie ist mittlerweile 105 Jahre alt und ihr sehnlichster Wunsch ist die Erlangung der österreichischen Staatsbürgerschaft. Sie möchte als Österreicherin sterben.

1978 hat die Südtiroler Landesregierung Hermine Mayr-Orian geehrt
1978 hat die Südtiroler Landesregierung Hermine Mayr-Orian geehrt

Jahre lang hat sich der Leiter des „Andreas Hofer-Bundes (AHB“) in Innsbruck, Alois Wechselberger, vergeblich für die Erfüllung dieses Herzenswunsches eingesetzt. Die österreichische Bundesregierung hat ihn mit Ausreden im Kreis geschickt, von einem Amt zum anderen.

Wie aus Wien vertraulich verlautet, wünscht Rom nicht, dass Frau Orian die österreichische Staatsbürgerschaft verliehen wird. Dies könnte nach Ansicht italienischer Politiker eine Welle weiterer Ansuchen auslösen und als Absage an den italienischen Staat gewertet werden. Die österreichische Bundesregierung ist wie immer den Wünschen Roms ergeben.

Alois Wechselberger hat jedoch bis heute nicht nachgegeben und wird bis zu dem letzten Lebenstag von Hermine Orian den politisch so unsagbar Handelnden in Wien immer wieder fordernd entgegen treten.

Alois Wechselberger mit Hermine Orian
Alois Wechselberger mit Hermine Orian

Mittlerweile hat das Land Tirol Hermine Orian das „Verdienstkreuz des Landes Tirol“ verliehen, welches ihr am 15. August 2024 feierlich überreicht werden soll.

Den bisherigen Erfahrungen zufolge wird auch das in Wien kein Umdenken herbeiführen.




Nachruf für den ehemaligen Südtiroler Freiheitskämpfer Luis Larch

  Bild: Südtiroler Schützenbund.

 Am 9. Juli verstarb in Graz der ehemalige Südtiroler Freiheitskämpfer Alois Larch.

Der „Südtiroler Heimatbund“ (SHB), eine von ehemaligen Südtiroler politischen Häftlingen gegründete Vereinigung, welche für die Selbstbestimmung eintritt, widmete ihm nachstehenden ehrenden Nachruf:

Todesanzeige in den „Dolomiten“ vom 13. Juli 2024.
Todesanzeige in den „Dolomiten“ vom 13. Juli 2024.

 Ein treuer Sohn seiner Heimat hat uns verlassen

Der aus Dorf Tirol stammende und in Lana aufgewachsene ehemalige Freiheitskämpfer Luis Larch ist nun im Alter von 91 Jahren in Graz verstorben. Er war im Südtiroler Freiheitskampf der 1960er Jahre ein persönlicher Freund und Mitkämpfer des Landeskommandant-Stellvertreters des Südtiroler Schützenbundes, Jörg Pircher, gewesen. Wie Luis Larch später in einem Interview erklärte, hatten ihn die schrecklichen Folterungen Südtiroler Häftlinge in den Carabinieri-Kasernen nach der Herz-Jesu-Nacht des Jahres 1961 dazu bewogen, sich aktiv dem Widerstand anzuschließen.

Er hatte 1964 unter abenteuerlichen Umständen aus Südtirol nach Österreich flüchten müssen, um der drohenden Verhaftung zu entgehen. Luis Larch wurde auch in Österreich gerichtlich verfolgt. Er wurde 1965 zusammen mit seinen Südtiroler Mitstreitern Adolf Obexer und Karl Ausserer festgenommen, Medienberichten zufolge von der Polizei misshandelt und Monate lang ohne Anklageerhebung in Haft gehalten.

Links: Bericht über die Misshandlung von Luis Larch in den „Oberösterreichischen Nachrichten“ vom 21. März 1966. Rechts: Der Rechtsanwalt Dr. Eberhard Molling aus Innsbruck protestierte gegen die Misshandlung.
Links: Bericht über die Misshandlung von Luis Larch in den „Oberösterreichischen Nachrichten“ vom 21. März 1966. Rechts: Der Rechtsanwalt Dr. Eberhard Molling aus Innsbruck protestierte gegen die Misshandlung.

1967 kam es dann wegen vorgeworfenen geheimen Waffentransportes nach Südtirol zu einer Verurteilung zu mehreren Monaten Haft, die durch die Untersuchungshaft bereits verbüßt waren. Die Angeklagten hatten sich offen zum aktiven Widerstand gegen die italienische Unterdrückung Südtirols bekannt. Nach dem Urteil sangen die Zuhörer des Prozesses demonstrativ das Andreas-Hofer-Lied.

Von links nach rechts: Ausserer, Obexer und Larch im November 1967 vor dem österreichischen Schöffengericht in Graz.
Von links nach rechts: Ausserer, Obexer und Larch im November 1967 vor dem österreichischen Schöffengericht in Graz.

1982 ernannte die Südtiroler Schützenkompanie Lana Luis Larch zu ihrem Ehrenmitglied, der bei gegebenen Anlässen stolz in der Tracht der Lanaer Schützen auftrat. So auch bei der jährlichen Tiroler Schützenwallfahrt in Absam und bei dem Landesfestumzug des Jahres 1984 in Innsbruck. Dort trug er zusammen mit seinen Schützenkameraden die große metallene Dornenkrone, welche das Leid Südtirols symbolisierte.

Luis Larch war 1984 bei dem großen Landesfestumzug in Innsbruck einer der Träger der metallenen Dornenkrone.
Luis Larch war 1984 bei dem großen Landesfestumzug in Innsbruck einer der Träger der metallenen Dornenkrone.

Als im Jahre 2009 die nunmehr mit Rosen geschmückte Dornenkrone wieder durch Innsbruck getragen wurde, begleitete sie wieder Luis Larch (rechts vorne im Bild).
Als im Jahre 2009 die nunmehr mit Rosen geschmückte Dornenkrone wieder durch Innsbruck getragen wurde, begleitete sie wieder Luis Larch (rechts vorne im Bild).

Der bis zu seinem Tode im Exil in Graz lebende Luis Larch war 1969 in Abwesenheit von dem Mailänder Schwurgericht zu 24 Jahren Kerker verurteilt worden. Im Jahre 2008 begnadigte ihn der italienische Staatspräsident Giorgio Napolitano kurz vor der ohnehin bevorstehenden Verjährung seiner Strafe, so dass Larch seine alte Heimat wieder besuchen konnte.

Der Landeskommandant des Südtiroler Schützenbundes, Roland Seppi, würdigte nun den Verstorbenen mit folgenden Worten: „Der Herr vergelte ihm seinen unermüdlichen Einsatz und seine Opferbereitschaft für unsere Heimat Tirol und das Schützenwesen. Möge er ruhen in Frieden.“

Wir schließen uns diesen Worten an und werden Luis Larch stets in ehrendem Andenken behalten.

Roland Lang
Obmann des „Südtiroler Heimatbundes“ (SHB)

Bis zu seinem Tod hielt Luis Larch engen Kontakt zu ehemaligen Mitstreitern. Hier im Bild ist er zu sehen mit Univ.-Prof. Dr. Erhard Hartung, dem Obmann der Kameradschaft ehemaliger Südtiroler Freiheitskämpfer.
Bis zu seinem Tod hielt Luis Larch engen Kontakt zu ehemaligen Mitstreitern. Hier im Bild ist er zu sehen mit Univ.-Prof. Dr. Erhard Hartung, dem Obmann der Kameradschaft ehemaliger Südtiroler Freiheitskämpfer.




Letzter Abschied von Adolf Pomella

Der am 27. März 1935 geborene und am 29. Juni 2024 verstorbene Adolf Pomella aus Kurtatsch.

Am 29. Juni 2024 verstarb in seinem Heimatort Kurtatsch ein ehemaliger Südtiroler Freiheitskämpfer und schwer gefolterter politischer Häftling. Der Kurtatscher Bauer Josef Pomella war nach den Anschlägen der „Herz-Jesu-Nacht“ aufgrund einer Denunziation eines Spitzels der Carabinieri zusammen mit anderen Kurtatscher Mitgliedern des „Befreiungsausschusses Südtirol“ (BAS), wie Luis Hauser, Josef Anegg, Hermann Anrather und Josef Orian, verhaftet worden. Sie alle wurden nach der Verhaftung von den Carabinieri schwer gefoltert.

Es gelang den Carabinieri trotz Anwendung unsäglicher Gewalt jedoch nicht, von Pomella und Orian ein Schuldgeständnis zu erpressen.

Der „Südtiroler Heimatbund“ (SHB), eine von ehemaligen Südtiroler politischen Häftlingen gegründete Vereinigung, welche für die Selbstbestimmung eintritt, widmete am 1. Juli 2024 dem Verstorbenen nachstehenden Nachruf:

Nachruf für Adolf Pomella

Es erreicht uns die traurige Nachricht, dass der ehemalige politische Häftling Adolf Pomella aus Kurtatsch verstorben ist.

Der 1935 in Kurtatsch geborene Bauer war nach den Anschlägen der Herz-Jesu-Nacht am 17. Juli 1961 von den Carabinieri verhaftet und anschließend schwer gefoltert worden. In den SVP-Archivalien im Landesarchiv in Bozen liegt ein Brief, in welchem Pomella der „Südtiroler Volkspartei“ (SVP) die erlittene Folter beschrieb: Er war mit Zündhölzern, einem Feuerzeug und Zigaretten am Geschlechtsteil, an der Nase und am Arm verbrannt worden. Er wurde mit kochend heißem Öl angeschüttet. Er wurde auch mit einer Zange, einem eisernen Schürhaken und einem Besenstil misshandelt. Dazu kamen schwere Schläge, wobei ein Knie und ein Schienbein verletzt und eine Zehe gebrochen wurden.

Die Folterkaserne in Kurtatsch im Jahre 1961 (Aus: BILD-Zeitung).
Die Folterkaserne in Kurtatsch im Jahre 1961 (Aus: BILD-Zeitung).

Ein Ausschnitt aus dem Brief von Adolf Pomella.
Ein Ausschnitt aus dem Brief von Adolf Pomella.

 Sein ebenfalls schwer gefolterter Mitgefangener Josef Orian berichtete in einem Brief an die SVP, dass die Carabinieri den verhafteten Adolf Pomella eine Nacht lang gefesselt an ein Treppengeländer gehängt hatten. In anderen Berichten seiner Mitgefangenen wurden die sichtbaren schweren Verletzungen des Gefolterten beschrieben.

Über seine Folterung berichtete Pomella am 6. Oktober 1961 auch an die Staatsanwaltschaft in Trient. Eine Abschrift dieses Schreibens wurde auch dem österreichischen Außenministerium übermittelt. Die hohe Politik in Österreich und in Südtirol unternahm jedoch nichts.

Nach beinahe eineinhalb Jahren Untersuchungshaft musste die italienische Justiz Josef Orian und Adolf Pomella „mangels an Beweisen“ wieder frei lassen. Eine Entschädigung für Folter und Haft haben sie nie erhalten.

Seine Angehörigen hätten keinen sinnigeren Spruch für das Leben des Verstorbenen finden können:

„Der ist in tiefster Seele treu
 Wer die Heimat liebt wie du“.

(Douglas Archibald und Theodor Fontane)

Josef Orian (links) und Adolf Pomella nach ihrer Freilassung am 26. Dezember 1962.
Josef Orian (links) und Adolf Pomella nach ihrer Freilassung am 26. Dezember 1962.

 Wir gedenken unseres verstorbenen Landsmannes, der so Schweres hatte erdulden müssen, in Ehrfurcht und Trauer. In Gedanken sind wir bei seinen Angehörigen.

 Roland Lang
Obmann des „Südtiroler Heimatbundes“ (SHB)

Am 1. Juli 2024 wurde der Verstorbene auf dem Friedhof in Kurtatsch zur ewigen Ruhe gebettet.

Dokumentation

Der durch einen Geistlichen aus dem Gefängnis von Trient herausgeschmuggelte Folterbericht von Adolf Pomella:

„Adolf Pomella, geb. 27.3.1935 in Kurtatsch, Bauer in Kurtatsch. Am 17. Juli um 22.30 h wurde ich verhaftet und bis um 12.30 des nächsten Tages von den carab mißhandelt. Die carab von Kurtatsch machten mich Schuhe, Strümpfe, Hose und Unterhose ausziehen, dann hieb man mir mit einem Pistolenmagazin auf den Kopf. Ebenso schlug man mich mit der Faust, mit einem Besenstiel und einer großen Suppenkelle ins Gesicht an Hals und Nase.

Immer und immerwieder schlugen drei oder vier carabinieri mit der Faust, auch einer Pistolentasche und mit anderen Gegenständen, – ich kann mich nicht mehr an alles erinnern ich war teilweise ganz benommen – ins Gesicht und am ganzen Körper. Die carab. schütteten mir Kochöl über den Kopf und übers Gesicht und dann rieben sie mich mit einer rußigen Pfanne ein.

Ins Gesicht gespuckt, dann zwang man mich auf die Knie, man schlug mir so auf das Genick, bis ich sehr starke Kopfschmerzen bekam. Mit brennenden Zigaretten berührte man das Geschlechtsglied, die Nase und den Innenarm. Ich hatte Brandblasen. Zuletzt bemühte man dazu brennende Zündhölzer und ein brennendes Feuerzeug. Man drohte mir, mit Spagatt das Geschlechtsglied abzuklemmen. Durch die Schläge an Kopf, Magen usw. lag eine 20 cm große Blutlache am Boden, Orion, Anegg und Anrather haben sie gesehen. Ich wurde dann von zwei carab. durch einen quer gehaltenen Besenstiel am Hals an die Mauer gedrückt – heute 29. 8. schmerzt mir noch der Hals und der hiesige Gefängnisarzt nimmt das nicht zur Kenntnis.

Viele Fußtritte in den Bauch u. auf das Geschlechtsteil, das linke Knie schmerzt mir noch, ebenso eine Zehe – sie muß gebrochen sein – am linken Fuß.

Die rechte Zehe aber ist noch entzündet, auch eine große Wundnarbe am Schienbein. Der Mittelfinger der rechten Hand ist noch geschwollen, man hat ihn mit einer Kombinationszange (Flachzange) gequetscht und nach hinten gebogen. Mit der Zange stieß man mich in Brust u. Achselhöhlen, später riß man mir damit die Haare vom Hintern aus. Einen ca 60 cm langen, fingerdicken Schürhaken, den krummen, spitzen Haken im Mund haltend, mußte ich Kniebeugen machen, auch den Besenstiel bohrte man mir in den Mund, ich war verletzt u. konnte kaum noch den Mund öffnen.

Auch einen Teppichklopfer benützte man zum Schlagen. Meine Schürze rissen die car. In Stücke und sagten dann den Angehörigen, ich hätte keine Schürze angehabt.

Mit der Masch. Pistole wurde ich oft und oft bedroht. Kein Name der carab. ist mir bekannt.

Adolf Pomella.“

 (Wörtliche Wiedergabe des Originalbriefes. SVP-Archivalien, Landesarchiv Bozen)

(SVP-Archivalien, Landesarchiv Bozen)




Auf zum Schwur, Tiroler Land…

Die Botschaft von hunderten Fackelträgern auf den Bergen Südtirols fordert: FREIHEIT. Das Landes-Wappen, der Tiroler Adler, symbolisiert diese Freiheit. Foto: Glasfenster im Schloss Tirol. Foto Verfasser.

Trotz widrigen Wetters konnten tausende Südtirol-Urlauber miterleben, wie am Sonntag, 9. Juni 2024, auf vielen Berggipfel und Berghängen an das feierliche Gelöbnis des Landes Tirol vom 1. Juni 1796 erinnert wurde: damals gelobten die Tiroler Landstände, angesichts der schweren Bedrohung durch Napoleon, ihr Land dem „Heiligsten Herz Jesu“ anzuvertrauen, um den göttlichen Beistand gegen den Eroberer zu erhalten.

Bericht von Georg Dattenböck

 

Die tiefe Religiosität der großen Volksmehrheit in Tirol blieb bis heute erhalten, wie man beim Eintritt in die Häuser und Höfe Tirols feststellen kann. (Foto. Verfasser)
Die tiefe Religiosität der großen Volksmehrheit in Tirol blieb bis heute erhalten, wie man beim Eintritt in die Häuser und Höfe Tirols feststellen kann. (Foto. Verfasser)

Heute ist das Erinnerungsfest für die Süd-Tiroler aus allen Volksschichten der Anlass, ihre Identität, die sprachlich-kulturelle und geistige Landeseinheit, trotz 100jähriger Herrschaft Italiens, zu bewahren.

Angesichts der Besorgnis erregenden politischen Lage Südtirols sind diese Botschaften aus den Bergen Süd-Tirols für jeden Besucher sofort verständlich. Vor sehr vielen Höfen und Häusern wurde im gesamten Land ebenfalls die Tiroler Fahne aufgezogen.

Bilder von „Herz-Jesu-Feuern“ in Südtirol. (Quelle: „Feuerherz“ der Alpenvereinsjugend, Jungschützen, Bauern- und Katholischen Jugend)
Bilder von „Herz-Jesu-Feuern“ in Südtirol. (Quelle: „Feuerherz“ der Alpenvereinsjugend, Jungschützen, Bauern- und Katholischen Jugend)

Bergfeuer wurden unter der Zeit des „Duce“ Mussolini wie ein Verbrechen verfolgt, wie man aus den Meldungen der damaligen Tageszeitungen entnehmen kann. Hier ein Originalartikel aus dem „Tiroler Anzeiger“ vom 5. 3. 1935 mit dem Titel „Konfinierungen in Südtirol“ (von lateinisch: confinium = Grenze, Grenzgebiet und bezeichnet eine Form der Verbannung).

Aus: „Tiroler Anzeiger“ vom 5. März. 1935.
Aus: „Tiroler Anzeiger“ vom 5. März. 1935.

12 Südtiroler wurden wegen des Anzündens von Freudenfeuer bzw. Veranstaltung einer Weihnachtsfeier „zu insgesamt 27 Jahren Verbannung verurteilt“, darunter der Pfarrer von Sulden mit einer Strafe von 3 Jahren.

Weil sie Hausunterricht erteilten, wurden bei deutschen Lehrkräften in Kaltern, Tschengls, Villanders und anderen Orten Hausdurchsuchungen durchgeführt und sie wurden zu hohen Geldstrafen verurteilt.

Der Faschismus lebt

Nun mag dazu eingewendet werden, dass dies unter der Zeit des „Duce“ vor 90 Jahren geschehen war und heute nicht mehr möglich sei.

Der Aufmarsch faschistischer Fanatiker in Rom. (Foto: Schweizer Radio und Fernsehen SRF)
Der Aufmarsch faschistischer Fanatiker in Rom. (Foto: Schweizer Radio und Fernsehen SRF)

Bei einem Aufmarsch der neofaschistischen Organisation „Casapound“ im römischen Stadtteil Tuscolano im Jänner 2024, zeigten jedoch hunderte Fanatiker den faschistischen Gruß. Italiens Ministerpräsidentin, Giorgia Meloni, schwieg dazu beharrlich und wurde deswegen in Italien und Europa sehr scharf kritisiert. Eine bekannte Italienerin urteilte:

„Hunderte, meist junge Männer in faschistisches Schwarz gekleidet, militärisch aufgereiht, riefen „presente“ (anwesend), wie es unter Mussolini üblich gewesen war. Aufgestellt wie in einer Schlachtenreihe. Das seien Bilder, wie man sie 1924 sah.“

Die Staatsanwaltschaft Rom leitete wegen dieses militanten Aufmarsches ein Ermittlungsverfahren ein. Der römische Kassationsgerichtshof, die dritte und höchste Instanz der italienischen Gerichtsbarkeit, entschied im Jänner 2024: Der Faschistengruß sei nicht als Straftat zu werten. Der „römische Gruß“, die italienische Variante des „Hitlergrußes“, ist nunmehr in Italien weitgehend legitim.

Die „Salonfähigkeit“ des Faschismus in alter und neuer Form

In Italien wird der Faschismus zunehmend wieder salonfähig gemacht. In Südtirol aber weiß man, welches Unheil diese Ideologie in der Vergangenheit über das Land gebracht hat.

Das Buch „Der Marsch auf Bozen“ (Effekt-Verlag in Neumarkt in Südtirol – https://www.effekt.it/produkt/der-marsch-auf-bozen/ ) entlarvt die verbrecherischen Machenschaften Mussolinis und Hitlers betreffend Südtirol und ist jedem Interessierten zu empfehlen.

Mit welch brutalem Zynismus der „Duce“ Benito Mussolini gegenüber der damaligen österreichischen Regierung in den Jahren seiner Diktatur gelogen hatte, dokumentiert sich in seiner Aussage, dass er die Sache mit der Italianisierung der Ortsnamen schon abgestellt habe: „Finito con quella cosa“. (Quelle: Außenpolitische Dokumente der Republik Österreich 1918-1938 (ADÖ 10/1516)).

Die historische Wahrheit ist diametral entgegengesetzt: Mit immer größerem Fanatismus wurde die „Italianatà“ Südtirols, der gewollte und geplante Ethnozid an den Süd-Tirolern, vom Staat Italien vorangetrieben, wie die Meldung im „Tiroler Anzeiger“ vom 31. Mai 1935 mit dem Titel „Umbenennungen der Straßen und Hotels in Meran“ beweist.

Aus: „Tiroler Anzeiger“ vom 31. Mai 1935.
Aus: „Tiroler Anzeiger“ vom 31. Mai 1935.

Wäre es nicht mitten in Europa so endlos entwürdigend, beschämend und traurig, müsste man lachen bei den Versuchen der Faschisten, dem kleinsten Ort in Tirol, der entlegensten Flur in den Bergen und z. B. der urtirolerischen Keschtngasse in Dorf Tirol einen „italienischen Anstrich“ zu geben.

Der „Südtiroler Heimatbund (SHB)“ gab 2023 die Schrift: „Rechtliche und linguistische Aspekte der Ortsnamengebung in Südtirol“ heraus, wo auf 38 Seiten sachlich und klar die Lage geschildert wird

Bezug über: https://www.effekt.it/shop

Bezug über: https://www.effekt.it/shop

Bereits vor einem Jahr, am 3.4.2023, schrieb der „Südtiroler Heimatbund“ einen „eindringlichen Appell“ an die Abgeordneten des Südtiroler Landtages:

Die politische Lage im Jahr 2024 stellt sich so dar: Die nahtlos in der Tradition des Faschismus stehende Partei „Fratelli d’Italia“ (FdI) und deren derzeitige Spitzenrepräsentantin, Giorgia Meloni, sehen im provokativen Zeigen des Faschistengrußes, vor allem in Süd-Tirol, kein Problem. Das ist ein äußerliches Zeichen der Gesinnung. Einer Gesinnung, die auf die weitere Aushöhlung autonomer Rechte zugunsten einer immer stärkeren Zentralisierung der Staates abzielt.

Wessen Geistes Kind Frau Meloni ist, dokumentiert folgendes Zitat: „Die Süd-Tiroler sollen nach Österreich auswandern, wenn ihnen die italienische Trikolore nicht passt“.

Giorgia Meloni bei einer Ansprache.
Giorgia Meloni bei einer Ansprache.

Nach seiner schwerer Niederlage bei den Landtagswahlen 2023 umwarb Südtirols Landeshauptmann Kompatscher die Frau Meloni und ihre neofaschistische Partei „Fratelli d’Italia“. Das über 70 Jahre lang im gesamten Tiroler Volk und auch in der Südtiroler Volkspartei (SVP) völlig Unvorstellbare wurde Wirklichkeit: Der Landeshauptmann der politisch geknebelten Süd-Tiroler legte sich freiwillig in das politische Bett des Faschismus.

Am 2. Dezember 2023 sprach sich der Parteiausschuss der SVP für eine Koalition mit Melonis „Fratelli d’Italia“, der „Lega“, „La Civica“ und den ihre frühere Gesinnung preisgebenden Südtiroler „Freiheitlichen“ aus. Diese 5 Parteien verfügen zusammen über 19 der 35 Sitze im Landtag.

Als Dank wählten die fünf Parteien im Landtag am 18. Januar 2024 Arno Kompatscher mit 19 zu 16 Stimmen wieder zum Landeshauptmann, er trat sein Amt am 1. Februar 2024 an.

Kompatscher kündigt dauernd Dinge an, die er dann nicht umsetzt. Dabei wäre eine Sanierung der schwer beschädigten Autonomie dringend nötig: In fast 50 Prozent der autonomen Kompetenzen gab es in den letzten 30 Jahren Aushöhlungen durch den italienischen Staat. Bisher ist Kompatscher aber untätig geblieben. Er fällt durch Zugeständnisse und Ausreden auf, anstatt durch Ergebnisse.

Das Gedenken an das Bündnis mit dem Herzen Jesu steht der Gesinnung des Verzichtes entgegen. In diesem Sinne dürfen wir sagen:

Süd-Tirol bräuchte endlich einen Landeshauptmann, der ein Garant für den Schutz der Autonomie ist und der für das eigene Volk arbeitet. Und nicht einen Landeshauptmann, der ständig auf den Knien nach Rom rutscht!




Lobpreisung der Carabinieri in einem indoktrinierenden „Merkheft“ für Südtiroler Schüler

Verschweigen einer teilweise düsteren Vergangenheit

Am 12. Juni 2024 wurde in Bozen von dem Bürgermeister Renzo Caramaschi (am Beitragsbild mit Tricolore-Schärpe), der SVP-Stadträtin Johanna Ramoser und Vertretern der Carabinieri, ein indoktrinierendes Merkheft für Schüler vorgestellt.

Dazu veröffentlichte der „Südtiroler Heimatbund (SHB)“ folgende Presseerklärung:

Carabinieri in Südtirol – eine nicht aufgearbeitete Vergangenheit

 Die Stadt Bozen hat ein „Diario/Merkheft 2024/25“ für Schüler herausgegeben mit dem Titel

 „A scuola con i – Zur Schule mit den – Carabinieri“.

 Hier werden auf der Titelseite die Carabinieri den Kindern zeichnerisch als liebe Beschützer in Gestalt von Plüschtier-Hunden nahegebracht.

Ohne die verdienstvolle Rolle vieler Carabinieri bei der Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit schmälern zu wollen, muss doch darauf hingewiesen werden, dass die Geschichte der Carabinieri in Südtirol auch eine Jahrzehnte lang andauernde düstere Seite aufzuweisen hat.

Bereits nach dem Einmarsch der italienischen Truppen in Südtirol im November 1918 war es zu schweren Übergriffen gegenüber der deutschen und ladinischen Bevölkerung gekommen. Die Übergriffe und Gewalttaten häuften sich in der Zeit des Faschismus. Auch das Kriegsende brachte keine umgehende Besserung. Aus dem Süden einfallende plündernde Räuberbanden, die sich „Partisanen“ nannten, wurden von den Carabinieri nicht in ihrem Tun gehindert. Im Grödental kam es zu Mordtaten.

Im Jahr 1961 und in den folgenden Jahren kam es in Carabinieri-Kasernen zu zahlreichen und schweren Folterungen Südtiroler Freiheitskämpfer, die sich gegen die andauernde gewalttätige Unterdrückung erhoben hatten. Auch hier gab es Todesopfer.

Die Folterer wurden nicht bestraft, sondern eine Reihe von ihnen wurde von einem italienischen Gericht sogar freigesprochen bzw. fielen die begangenen Misshandlungen unter Amnestie. Sie wurden anschließend öffentlich belobigt und geehrt.

Dieser Teil der Geschichte wird von offizieller italienischer Seite und seit längerem auch von deutscher Seite bis heute zumeist schweigend übergangen. Hier wäre längst eine kritische Aufarbeitung mit öffentlicher Entschuldigung für das in der Vergangenheit begangene Unrecht angebracht. Dies würde einem unbefangenen Verhältnis zur einheimischen Bevölkerung dienen.

Bislang deutet nichts darauf hin, dass dies in naher Zukunft geschehen könnte – doch die Hoffnung stirbt zuletzt.

Roland Lang
Obmann des „Südtiroler Heimatbundes (SHB)“

Flugblatt des Bergisel-Bundes in Oberösterreich aus den 1960er Jahren.
Flugblatt des Bergisel-Bundes in Oberösterreich aus den 1960er Jahren.

Bericht in „Dolomiten“ vom 7. September 1963
Bericht in „Dolomiten“ vom 7. September 1963




„ciao! bella, ciao, ciao, ciao!“ – „Lebe wohl, Schöne, lebe wohl, lebe wohl“

Der Südtiroler Landeshauptmann Dr. Arno Kompatscher, sein „Tag der Befreiung“ und die von ihm verehrten Partisanen

Auch in diesem Jahr ließ es sich der Südtiroler Landeshauptmann Dr. Arno Kompatscher nicht nehmen, am 25. April 2024 seine Verbundenheit mit Rom durch seine Teilnahme an der Feier des italienischen „Tages der Befreiung“ in Bozen zu betonen. Zusammen mit dem Bozener Bürgermeister Renzo Caramaschi und Vertretern der „Partisanen“-Organisation ANPI sang er ein die damaligen Partisanen verherrlichendes Lied „ciao! bella, ciao, ciao, ciao!“.

Auf der Internetseite der italienischen Tageszeitung „Alto Adige“ wurde diese Szene schön dargestellt unter der Überschrift:

„Fest der Befreiung, Caramaschi und Kompatscher singen zusammen das Lied ‚Bella Ciao‘“

Von dem angeblichen „Partisanenlied“ sind weder Autor noch Entstehungsgeschichte bekannt. Sehr seltsam! Angeblich wurde es bereits im Zweiten Weltkrieg von den italienischen Partisanen gesungen. Es gibt aber auch die Vermutung, dass die heute zu den beliebtesten Kampfliedern der politischen Linken gehörende sentimentale Verherrlichungshymne erst nach 1945 geschaffen wurde.

Una mattina mi son svegliato,
o bella, ciao! bella, ciao! bella, ciao, ciao, ciao!
Una mattina mi son svegliato,
e ho trovato l’invasor.

Eines Morgens erwachte ich
O Schöne, tschau, Schöne, tschau, Schöne, tschau, tschau, tschau!
Eines Morgens erwachte ich
und fand den Eindringling vor.

In dem Lied heißt es weiter, dass der Partisan nun in den Kampf gegen den deutschen „Eindringling“ aufbrach und seine Schöne bat, ihn zu begraben, falls er sterben sollte. Und Blumen von seinem Grab sollte sie weiterschenken. Ergreifend!

Das tatsächliche Geschehen: Ab dem „Tag der Befreiung“ – Abschlachtungen von Menschen durch Nachkriegs-Partisanen

Am 5. April 1945 hatten die alliierten Streitkräfte die deutsche Front in Italien durchbrochen und die deutschen deutschen Truppen fluteten nun chaotisch nach Norden, der eigenen Heimat zu.

Nun ergriffen straff organisierte kommunistische Partisaneneinheiten die Initiative. Am 25. April 1945 brach in großen Städten wie Bologna, Padua und Mailand ein Aufstand kommunistischer Partisanen los, die Jagd auf politische Gegner machten, Mordtaten vollbrachten und in weiten Landstrichen die Macht an sich rissen. Dieses Geschehen wird bis heute in Italien als „Tag der Befreiung“ und der Geburt des nunmehr demokratischen Staates Italien gefeiert.

Der Historiker Roberto Beretta hat in seinem 2005 erschienenen Buch „Storia dei preti uccisi dai partigiani“ („Geschichte der von den Partisanen umgebrachten Priester“) 129 Fälle grausam abgeschlachteter Priester und eines vierzehnjähriger Seminaristen dokumentarisch behandelt.

Links: Das Buch von Roberto Beretta. Rechts: Bild des ermordeten Seminaristen Rolando Rivi.
Links: Das Buch von Roberto Beretta. Rechts: Bild des ermordeten Seminaristen Rolando Rivi.

Räuberische Mörderbanden als „Nachkriegspartisanen“ in Südtirol

In Südtirol traten erst nach der Kapitulation der Deutschen Wehrmacht am 2. Mai 1945 italienische „Freiheitskämpfer“ öffentlich auf. Sie plünderten vor allem Südtiroler. Schlimmsten Terror aber verübten Räuberbanden aus südlichen Gefilden wie der Provinz Belluno, die als „Partisanen“ in die deutsch und ladinisch besiedelten Gebiete einfielen. Sie raubten und plünderten in Bozen, Salurn, Naturns und an anderen Orten. Es kam zu zahlreichen Verschleppungen und zu Morden im Grödental.

Die Gräber von vier Ermordeten, die auf dem Friedhof von St. Christina bestattet wurden, sind heute noch zu sehen.

Des Landeshauptmannes seltsames Verhältnis zu der italienischen Partisanenvereinigung „ANPI“

Offenbar weiß Landeshauptmann Dr. Kompatscher nicht, was sein Parteiorgan „Volksbote“ im Jahr 1945 über die sogenannten italienischen „Partisanen“ in Südtirol geschrieben hat.

„Was aber den aktiven Widerstand gegen die nationalsozialistische Herrschaft anbelangt, so müssen wir einmal feststellen, dass wir vor dem Waffenstillstandsvertrag nie einen italienischen Partisanen in Südtirol gesehen haben. Und die Herren, die sich nach dem 3. Mai 1945 als Partisanen gebärdet haben, können wir wirklich nicht als solche anerkennen.“

Ungeachtet dieser Tatsache ließ der Südtiroler Landeshauptmann Dr. Arno Kompatscher am 28. April 2016 eine Vereinbarung mit der „Nationalen Vereinigung der Partisanen Italiens ANPI“ unterzeichnen, in welcher diesem Partisanen-Traditionsverband ein Mitgestaltungsrecht bei dem Zeitgeschichte-Unterricht an Südtirols Schulen eingeräumt wurde durch Bereitstellung von Inhalten und Materialien für den Geschichtsunterricht und Durchführung von Seminaren und Tagungen.

 Kompatschers Kommentar dazu: „ciao! bella, ciao“.




„Peinliche Bankrotterklärung im Kampf um die Staatsbürgerschaft“

Wir haben schon in der Vergangenheit über die am 23. April 1919 in Kurtatsch geborene letzte noch lebende Katakombenlehrerin Hermine Mayr berichtet. In Kurtatsch leitete die Geheimschullehrerin Marianne Orian mehrere geheime Gruppen, in einer derselben unterrichtete die junge Hermine Mayr die Ortskinder in deutscher Sprache. (Näheres siehe in: Maria Villgrater, Katakombenschule, Bozen, 1984, S. 172 u. S. 402)

Hermine Mayr sollte später den Bruder von Marianne Orian heiraten und damit den Namen Hermine Orian annehmen.

In diesem Jahr wurde Hermine Orian 105 Jahre alt. Ihr sehnlichster Wunsch ist es, die österreichische Staatsbürgerschaft zu erhalten, um als Österreicherin in das Jenseits einzugehen.

Jahre lang hat sich der Leiter des Andreas Hofer-Bundes (AHB) in Innsbruck, Alois Wechselberger, vergeblich für die Erfüllung dieses Herzenswunsches eingesetzt. Man hatte ihn im Kreis geschickt, von einem Amt zum anderen. Er hat trotz dieser Frozzelei bis heute nicht nachgegeben und wird bis zu dem letzten Lebenstag von Hermine Orian den politisch so unsagbar Handelnden immer wieder fordernd entgegen treten.

AHBT-Obmann Alois Wechselberger mit Hermine an ihrem 105. Geburtstag.Sie reicht ihm die Hände zum Dank für die letztendlich vergebliche jahrelange Mühe.
AHBT-Obmann Alois Wechselberger mit Hermine an ihrem 105. Geburtstag.Sie reicht ihm die Hände zum Dank für die letztendlich vergebliche jahrelange Mühe.

Zu ihrem Geburtstag gratulierte ihr auch der FPÖ-Obmann Herbert Kickl und drückte sein Unverständnis dafür aus, dass die österreichische Bundesregierung sich beharrlich weigert, diesen Wunsch zu erfüllen.

Es geschehen aber noch Zeichen und Wunder. Am 11. Mai 2024 veröffentlichte die „KRONEN ZEITUNG“ einen 2seitigen Bericht aus der Feder von Josef Poyer unter dem Titel:

„Peinliche Bankrotterklärung im Kampf um die Staatsbürgerschaft“

In dem Artikel hieß es:

Die Republik Österreich versagt wieder einmal als Schutzmacht von Südtirol. Der österreichische Pass für eine 105-jährige Katakombenlehrerin rückt in weite Ferne, der Politik fehlt der Wille. Aber rechtlich sei vieles möglich.

„Ich bin als Österreicherin geboren, als Österreicherin will ich sterben.“ So viel Patriotismus aus der Kehle einer eigentlichen Italienerin, das macht heimischen Politikern aktuell Angst und Bange.

Denn die Causa rund um die 105-jährige Südtirolerin Hermine Aloisia Mayr (verwitwete Orian) – die ehemalige Katakombenlehrerin kämpft, wie berichtet, um einen österreichischen Pass – lässt Bundespräsident Alexander Van der Bellen, Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka und den zuständigen Innenminister Gerhard Karner sprachlos zurück. Man wolle sich zur Causa einfach nicht äußern, heißt es auf Nachfrage der „Krone“.

Die Rechtslage sei klar, was die Verleihung der Staatsbürgerschaft aufgrund außerordentlicher Leistungen betrifft.

Es wird lediglich darauf hingewiesen, dass der Wortlaut des Gesetzestexts auf bereits erbrachte und noch zu erwartende außerordentliche Leistungen im besonderen Interesse der Republik abzielt. Bei einer Frau im so fortgeschrittenen Alter wohl unmöglich, so die höhnischen Worte einiger Beamten.

„Großer Spielraum“: Recht nicht gleich Gerechtigkeit

Verfassungsrechtler Peter Bußjäger kennt die Thematik schon länger und bewertet das Zögern der politischen Akteure mit einem milden Lächeln: „Natürlich wiegt das Kriterium mit den noch erwartbaren Leistungen sehr schwer, aber der Bund hat hier auch großen Ermessensspielraum. Die wichtigste Frage lautet, wie strikt die Bundesregierung in der Vergangenheit gehandelt hat.“

Und da offenbaren sich wohl bei Personen wie der russischen „Putin-Freundin“ Anna Netrebko und dem polnischen „Leider-doch-nicht-Investor“ Michal Solowow, die zwar die rot-weiß-rote Staatsbürgerschaft bekommen haben, aber im Nachhinein nicht wirkliche Aushängeschilder für die Alpenrepublik waren, etliche Lücken im Gesetzestext.

 

Vor allem die aktuelle Einbürgerung von Brasilien-Legionär Ronivaldo wirft Fragen auf. Zum Beispiel: Welche Leistungen ein 35-jähriger Fußballer noch für unser Land erbringen kann? Fakt ist, für Frau Mayr fehlt nur der Wille …

Die endgültige Entlarvung der derzeit noch Regierenden

Am 15. Mai 2024 stellte der FPÖ-Nationalratsabgeordnete und Südtirol-Sprecher Peter Wurm zusammen mit FPÖ-Kollegen im Österreichischen Nationalrat den Antrag an die Österreichische Bundesregierung, der ehemaligen Katakombenlehrerin Hermine Orian die österreichische Staatsbürgerschaft zu verleihen.

Der Antrag wurde von den übrigen Parteien abgelehnt!

Als der Südtiroler Abgeordnete Dr. Eduard Reut-Nicolussi am 6. September 1919 Abschied aus dem neugegründeten Nationalrat in Wien nahm, hatte er in seiner Abschiedsrede der Hoffnung Ausdruck gegeben, dass Österreich weiterhin die Solidarität mit den nun abgetrennten Südtirolern wahren werde. Es gab stürmischen Beifall von allen Seiten des Hauses und Rufe erschallten wie „Wir werden unser Wort halten!“

Von dieser Gesinnung ist bei Schwarztürkis-Rot-Grün heute nichts mehr vorhanden.

Bisherige SID-Berichte über den Fall Orian:




Andreas Hofers alte Garde (3. Teil)

Alljährlich wird in Tirol am 20. Februar, dem Todestag Andreas Hofers, feierlich des Freiheitshelden von 1809 gedacht. (Bild von der Feier in Meran 2023 – SSB)

Dieses Gedenken soll Anlass sein, auch an die Frauen ehrend zu erinnern, welche damals Andreas Hofer treu und aufopfernd zur Seite standen.

Teil III: Kämpfende und leidende Frauen an der Seite von Andreas Hofer

Ein Beitrag zur Geschichte – zusammengestellt von Georg Dattenböck

Im Rückblick auf den Todestag von Andreas Hofer am 20. Februar 1810 soll auch all jener vielen und unbekannten Tiroler Frauen gedacht werden, die den Kampf gegen Napoleon und seine Vasallen bis zum Ende mit all ihrer Kraft mittrugen und von denen einige sogar aktiv mitgekämpft hatten. Das Andenken an sie sollte nicht in der Vergessenheit versinken.

Das schwere Schicksal der Anna Gertraud Hofer, geborene Ladurner

Andreas Hofer ehelichte am 27. Juli 1789 Anna Gertraud Ladurner aus Algund bei Meran und zeugte mit ihr sechs Mädchen und einen Sohn. Dieser tapferen Frau wurde bereits in mehreren Ausgaben des SID gedacht (u.a. in: „Des Sandwirts letzte Heimkehr“).

Anna Gertraud Hofer in einer zeitgenössischen Darstellung.
Anna Gertraud Hofer in einer zeitgenössischen Darstellung.

Nach der von Napoleon befohlenen Erschießung des Sandwirts befand sich dessen Frau Anna, wie dutzende anderer Frauen von Gefallenen, nicht nur in einer psychischen, sondern auch in einer wirtschaftlichen Ausnahmelage: es gelang ihr nicht mehr, die Geschäfte ihres Mannes weiterzuführen, sie meldete Konkurs an.

Nur acht Monate nach Hofers Erschießung, besuchte der bairische Kronprinz Ludwig I. von Wittelsbach (seit 1825 König) Anna Hofer. Er war der Sohn des unter Napoleon regierenden Königs Maximilian I. Für die Rolle, die Maximilian I. als williger Vasall Napoleons bei der brutalen Niederwerfung Tirols spielte, war sein Sohn nicht verantwortlich. Im Hinblick auf Ludwigs Wesen darf man wohl von einer tiefen Einsicht über das Tirol zugefügte Unrecht ausgehen. Ludwig und hochrangige Touristen, die Anna Hofer am Sandwirtshof im Passeier besuchten und befragten, halfen ihr jedoch finanziell auch nicht aus ihrem Elend.

Sie fuhr 1810 nach Wien, um von Kaiser Franz eine von ihm zugesicherte Jahrespension einzufordern. Der Kaiser gewährte ihr zunächst eine einmalige finanzielle Unterstützung.

Kaiser Franz und Anna Ladurner. (Bild aus: Rudolf v. Granichstaedten-Czerva: „Andreas Hofers alte Garde“, Innsbruck 1932)
Kaiser Franz und Anna Ladurner. (Bild aus: Rudolf v. Granichstaedten-Czerva: „Andreas Hofers alte Garde“, Innsbruck 1932)

Erst acht Jahre nach ihrem Wien-Besuch, im Jahre 1818, erhielten Anna Hofer und ihre vier noch lebenden Töchter Maria Kreszenz, Rosa Anna, Anna Gertraud und Gertraud Juliana eine Jahrespension zugesprochen. Die vier Töchter starben jedoch bereits vor Anna Hofers eigenem Tod am 6. Dezember 1836 in St. Leonhard im Passeier.

Die traurige Lage vieler Frauen und Kinder

Die Lage des Landes war so verzweifelt, dass auch Frauen zu den Waffen griffen. Sehr traurig war dann das Schicksal der durch den Krieg verwitweten Tirolerinnen, die keinen Besitz hatten, sondern sich als Mägde und Dienstboten verdingen mussten, um ihren Kindern und sich selbst das Überleben zu ermöglichen.

Birgit Treffner berichtet darüber in einer wissenschaftlichen Abhandlung:

„Am allerschlimmsten traf es jene Frauen, deren Männer während der Kämpfe verstarben. Allerdings betont Schennach (Anm.: Historiker), dass es zum Thema Trauer nur sehr wenig Quellenmaterial gibt und erwähnt dabei eine der wenigen überlieferten Schilderungen eines Mannes, der Tirol im Jahre 1811 bereiste. Marcel de Serres (Anm.: französischer Geologe) berichtet, dass ihm der Bürgermeister von St. Johann unter anderem die Gräber der Gefallenen von 1809 zeigte. Dabei konnte de Serres emotional ergriffene Frauen und Kinder vor den Grabsteinen auf Knien beten sehen.

Er verspürte die tiefe Trauer der Angehörigen, die sich erst langsam mit der neuen Situation abfinden konnten. Doch erging es nicht nur den Tiroler Frauen so, auch die Frauen der bayerischen Soldaten trauerten um ihre gefallenen Männer und Söhne.

Das letzte Aufgebot zog ins Feld. Zurück blieben die Frauen und Kinder, die ein schweres Schicksal erwartete, wenn die Männer nicht mehr nach Hause kamen. (Historische Postkarten)
Das letzte Aufgebot zog ins Feld. Zurück blieben die Frauen und Kinder, die ein schweres Schicksal erwartete, wenn die Männer nicht mehr nach Hause kamen. (Historische Postkarten)

 Natürlich waren Frauen auch direkt von den Kampfhandlungen betroffen. 23 Tiroler Frauen sind laut Hans Kramer infolge der Gefechte in Tirol verstorben, was rund zwei Prozent der Tiroler Todesopfer entspricht. Der Großteil der weiblichen Opfer war während der bayerischen Übergriffe im Mai zu beklagen, da es in diesen Tagen besonders häufig zu Gewalttaten kam. (…)

Es wird aber auch berichtet, dass Frauen in den Kampfhandlungen eine Rolle zufiel, sei es im Bereich der leiblichen Versorgung der Kämpfenden oder der Pflege von Verletzten. So etwa erwähnt Joachim Haspinger in seinem Tagebuch, dass in den Pausen des Gefechts die Männer mit Wasser und Wein versorgt wurden, ‚welches ihnen die tapferen Weiber der herumliegenden Gegenden bis auf die obersten Posten trugen.‘ Georg Mühlberger schreibt den Tiroler Sieg am Bergisel im August der Versorgung durch die Frauen aus der Umgebung zu, die dafür verantwortlich waren, dass die Männer sich in den Pausen erholen konnten. (…) Im Freiheitskampf von 1809 verpflegten meist ortsansässige Bäuerinnen die Landesverteidiger mit Brot, Wasser oder so manchen Selbstgebrannten während der Kämpfe.“ (Birgit Treffner: „Der Tiroler Freiheitskampf 1809 mit besonderer Berücksichtigung der Frauen zu dieser Zeit“; Diplomarbeit, Wien 2012, S. 48, 51, 52)

Theresia von Sternbach

Die bürgerliche Maria Theresia Obholzer (*20.5.1775 in Bruneck, †5.4.1829 in Mühlau) ehelichte, trotz des Standesunterschiedes, am 17.6.1799 den Reichsfreiherrn Franz Andreas von Sternbach, der bereits am 10.2.1808 starb.

Theresia von Sternbach, Porträt um 1808.
Theresia von Sternbach, Porträt um 1808.

Als 1809 der Freiheitskampf begann, unterstützte Marie Theresia v. Sternbach vor allem Josef Speckbacher und Martin Teimer, kaufte Waffen und Munition und nahm auch angeblich selbst zu Pferd an Kämpfen teil. (Antonius Lux, Hrsg.: „Große Frauen der Weltgeschichte. Tausend Biographien in Wort und Bild“, München 1963, S. 450).

Vor der dritten Bergisel-Schlacht wurde sie am 3. August 1809 von bayerischen Truppen verhaftet, da ihr Schloss als Waffenlager verraten worden war. Es folgte zwangsweise Einquartierung von Truppen und nach der Niederlage wurde sie von den Bayern als Geisel nach München mitgenommen. Ihren minderjährigen Sohn musste sie im Schloss Rizol bei Innsbruck zurücklassen. Ihr wurde in der Gefangenschaft das Hängen angedroht. Trotzig bat sie, so die Überlieferung, mit dem Gesicht nach Österreich und dem Rücken nach Frankreich gehängt zu werden. Sie wurde in die Zitadelle von Straßburg verlegt, wo sie bis zum 14. Februar 1810 in einer locker geführten Haft verblieb. Am 20.2.1810 wurde sie freigelassen.

Ihre Besitzungen im Pustertal fand sie bei ihrer Heimkehr geplündert vor, doch gelang ihr ein wirtschaftlicher Wiederaufstieg. Der von ihr beim Kaiser in Wien vorgebrachten Bitte um finanzielle Hilfe wurde nicht entsprochen, jedoch erhielt sie die „Große Goldene Civil-Ehrenmedaille“ verliehen.

Maria Anna Jäger

Birgit Treffner berichtet in ihrer Diplomarbeit: „Eine weitere Schilderung von aktiv beteiligten Frauen stammt aus der Region um Schwaz. Dort soll, laut Gianangelo Ducati, ein hübsches tapferes Mädchen aufgetreten sein, das sich aktiv an den Kämpfen beteiligte und ‚auf die Idee kam, Wägen mit Heu zu beladen, sie anzuzünden und auf den Feind zurollen zu lassen.‘

Die Vermutung liegt nahe, dass diese zeitgenössische Beschreibung Anna Jäger aus Schwaz beschreibt.“ (Birgit Treffner, a.a.O., S. 63)

Bild aus Schloss Freundsberg. Von links nach rechts wurden folgende Personen handschriftlich genannt: Josef Hell, Bildhauer v. Vomp, Anna Jäger, Heldin von 1809, Andreas Hofer aus Passeyer, Josef Speckbacher 1809.
Bild aus Schloss Freundsberg. Von links nach rechts wurden folgende Personen handschriftlich genannt: Josef Hell, Bildhauer v. Vomp, Anna Jäger, Heldin von 1809, Andreas Hofer aus Passeyer, Josef Speckbacher 1809.

In einer Gedenkschrift der Gemeinde Schwaz über das Jahr 1809 heißt es:

Maria Anna Jäger – das Lebzelter Mariandl

Über ein weibliches Schwazer Original von 1809, der ‚Lebzelter-Mariandl‘ – es war dies die Geschirrhändlerin Maria Anna Jäger – wird folgendes berichtet: ‚Ein rüstiges Weib aus Schwaz von 28 bis 29 Jahren, mit einem Stutzen bewaffnet, diente während des Feldzuges unter Speckbacher‘ (Auszug aus J.L. Batholy’s Werk: Der Krieg der Tiroler Landsleute im Jahre1809“).

Ein Zeitzeuge, 26 Jahre Bürgermeister und Ehrenbürger von Schwaz, Josef Spornberger, beschrieb sie wie folgt:

‚A Riesenweib isch sie gwösn, gressa als a groassa Mannas, dick und stark a. An Ratz hat sie ghabt wia a Mannas und a Stimm wia a Bär‘. Maria Anna Jäger starb laut Totenbuch am 26. Mai 1850 in Schwaz, Haus Nr. 12, auf der Einöde, im 71. Lebensjahr.“

(Wiedergegeben in: Gedenkschrift der Gemeinde Schwaz: „Schwaz Schicksalsjahr 1809“ (Studie von OAR Hans Sternad), Schwaz 2009, S. 15)

Guiseppina Negrelli

Über dieses Welschtiroler Mädchen wird von der Schützenkompanie „Giuseppina Negrelli“ in Primör berichtet: „Auch Primör hat seine Heldin, ihr wurde aber kein Denkmal errichtet; viel zu sehr damit beschäftigt, den Bruder Alois zu ehren und seine Erinnerung zu pflegen, hat es sie vergessen.

Das Geburtshaus von Giuseppina Negrelli (Bild von der Internetseite der Schützenkompanie „Giuseppina Negrelli“)
Das Geburtshaus von Giuseppina Negrelli (Bild von der Internetseite der Schützenkompanie „Giuseppina Negrelli“)

Giuseppina wurde als Tochter des Angelo Michele und der Elisabetta Würtempergher am 27. Mai 1790 um 14 Uhr geboren. Am 18. Dezember 1842 starb Giuseppina Negrelli an einer Venenentzündung.

Ihre dokumentierte Teilnahme im Kampf von 1809 wird auf der Internetseite der Schützenkompanie „Giuseppina Negrelli“ in Primör so beschrieben:

„Während der einzelnen Befreiungsversuche kämpften an der Seite der Tiroler auch die Landesverteidiger des Trentino und sie zeichneten sich ebenso durch Tapferkeit aus. Besondere Berühmtheit erlangte während der Kämpfe im Trentino ein Welschtiroler Mädchen, Josefine Negrelli, welche in die Geschichte als das ‚welschtirolische Mädchen von Spinges‘ eingegangen ist. Als am 6. Juni 1809 die französische Brigade d‘Azmar Miene machte, über Trient vorzubrechen, wurden die Welschtiroler Schützen des Suganatales von Andreas Hofer zu den Fahnen gerufen. Josefines Vater, Angelo Negrelli, Gutsbesitzer in Primoer, trat in die Reihen der Kämpfer; an dem Gefecht bei Feltre nahm Josefine an der Seite ihres Vaters teil und die Legende erzählt, dass sie durch ihren Heldenmut das Gefecht entschieden habe. Als Lohn für ihren Mut soll sie den Titel eines ‚Hauptmannes‘ erhalten haben. Sie war eine Schwester des berühmten Alois von Negrelli-Moldelbe, der den Bau des Suez-Kanals entworfen hat…“ http://www.skgiuseppinanegrelli.com/deutsch/pagine/giuseppina.htm

In einem Bericht vom 15. Juni 1809 an den k.k. Intendanten Baron Hormayr heißt es über die Beteiligung der „Josephine Negrelli“ und anderer Frauen an den Kämpfen: „Eine gewisse Josephine Negrelli, 18 Jahr alt, ist in Mannskleidern mit dem Schützen ausgezogen, und die Weiber nahmen selbst eine Position, um Steine auf den Feind herabzurollen.“

Bericht an Baron Hormayr. (Archiv muratori – Cavalese)
Bericht an Baron Hormayr. (Archiv muratori – Cavalese)

Historische Postkarte. (Internetseite der Schützenkompanie „Giuseppina Negrelli“ Primör)
Historische Postkarte. (Internetseite der Schützenkompanie „Giuseppina Negrelli“ Primör)

Katharina Lanz und weitere Kämpferinnen

Das kleine Dorf Spinges mit heute 280 Bewohnern liegt auf einer Geländeterrasse am Übergang vom Pustertal in das Eisacktal in einer Höhe von 1105 m.

Bekannt wurde Spinges durch einen schweren Kampf im Jahre 1797, als es galt, die ins Land eingedrungenen Franzosen zurückzuschlagen. Auf Grund des „Tiroler Landlibells“ von 1511 waren die Tiroler Schützen zur Landesverteidigung verpflichtet. Am 24. März 1797 wurde nun das ganze waffenfähige Volk im nördlichen Tirol, im Vinschgau und im Pustertal aufgeboten. Andreas Hofer nahm als Hauptmann einer Kompanie von 129 Passeirern an den Kämpfen bei Meran und Bozen teil. (Karl Paulin: „Andreas Hofer und der Tiroler Freiheitskampf 1809“, Innsbruck 1996, S. 13)

In Spinges standen die Verteidiger unter dem Kommando des Schützenhauptmannes und Landsturmkommandanten Dr. Philipp von Wörndle. Als die französischen Soldaten unter General Joubert das Dorf Spinges erreichten, stießen sie auf dieses Tiroler „Letzte Aufgebot“. Es galt, die französischen Truppen aufzuhalten und ein weiteres Vorrücken nach Österreich zu verhindern. So kam es am 2. April 1997 zu dem berühmten und erbitterten Gefecht von Spinges.

Bei den Schützen herrschte Mangel an Munition, die Franzosen gingen zu einem Bajonettangriff über. Die Tiroler kämpften nun mit umgekehrten Stutzen. Im Ringen Mann gegen Mann gelang es, dem Gegner große Verluste zuzufügen und ihn zurückzudrängen.

Wörndle hatte 103 Opfer zu beklagen, die Franzosen nach verschiedenen Schätzungen zwischen 600 und 1.800 Tote. General Joubert zog sich zurück und benützte das Pustertal als Fluchtweg. (Meinrad Pizzinini: „Andreas Hofer“, Wien 1984, S. 55)

Gedenktafel an die im Kampf um Spinges gefallenen Landesverteidiger. (Bild: Verfasser).
Gedenktafel an die im Kampf um Spinges gefallenen Landesverteidiger. (Bild: Verfasser).

In die Geschichte eingegangen ist das Mädchen Katharina Lanz, die zeitgenössischen Berichten zufolge auf der Friedhofsmauer von Spinges stehend den Feind heldenhaft abgewehrt hatte.

Der Tiroler Landsturmkommandant Philipp von Wörndle hat selbst in seinen Erinnerungen berichtet: „Man sah hier unter anderem eine Bauersmagd aus Spinges, welche mit zusammengegürteten Unterkleide und fliegenden Haaren auf der Freithofsmauer stund, und die stürmenden Feinde mit einer Gabel hinunter stieß.“ (Meinrad Pizzinini: „Andreas Hofer“, Wien 1984, S. 55)

Über die Herkunft des „Mädchens von Spinges“ gab es eine Zeitlang Diskussionen unter Historikern. Es ist heute jedoch unumstritten, dass es sich um Katharina Lanz aus St. Vigil im ladinischen Enneberg handelte. Sie hat selbst zu Lebzeiten anderen Zeitzeugen über ihre Teilnahme an dem Kampf berichtet. Das belegen auch andere historische Quellen. (Meinrad Pizzinini: „Andreas Hofer“, Wien 1984, S. 55 und 255)

Gedenktafel für Katharina Lanz an der Außenwand der Kirche. - Glasfenster für Katharina Lanz in der Kirche Spinges mit folgender Inschrift: „Keines frechen Fremdlings Fußtritt soll das Heiligtum beflecken. Will Altar und Tabernakel noch mit meiner Leiche decken!“ (Bilder: Verfasser)
Gedenktafel für Katharina Lanz an der Außenwand der Kirche. – Glasfenster für Katharina Lanz in der Kirche Spinges mit folgender Inschrift: „Keines frechen Fremdlings Fußtritt soll das Heiligtum beflecken. Will Altar und Tabernakel noch mit meiner Leiche decken!“ (Bilder: Verfasser)

Auch an Hauswänden lebt die Erinnerung fort. (Bild: Verfasser)
Auch an Hauswänden lebt die Erinnerung fort. (Bild: Verfasser)

Wenige hundert Meter außerhalb von Spinges wurde im Jahr 1882 auf einem Hügel ein großes Denkmal für die im Kampf gefallenen Schützen errichtet, welches von den heutigen Schützen weiter betreut wird. (Bild: Verfasser)
Wenige hundert Meter außerhalb von Spinges wurde im Jahr 1882 auf einem Hügel ein großes Denkmal für die im Kampf gefallenen Schützen errichtet, welches von den heutigen Schützen weiter betreut wird. (Bild: Verfasser)

Dieses Denkmal der Katharina Lanz wurde 1912 vor der Kirche von Pieve (La Plie' de Fodom) im ladinischen Buchenstein-Tal errichtet und 1915 im Zuge der Räumung nach Corvara (Abtei) übertragen. Von dort wurde es durch die Faschisten in den Graben des Schlosses von Rovereto verschleppt. Erst 1964 wurde die Statue wieder an ihrem ursprünglichen Standort aufgestellt.
Dieses Denkmal der Katharina Lanz wurde 1912 vor der Kirche von Pieve (La Plie‘ de Fodom) im ladinischen Buchenstein-Tal errichtet und 1915 im Zuge der Räumung nach Corvara (Abtei) übertragen. Von dort wurde es durch die Faschisten in den Graben des Schlosses von Rovereto verschleppt. Erst 1964 wurde die Statue wieder an ihrem ursprünglichen Standort aufgestellt.

Radierung von C. Robert Schindelmayer: „Das Mädchen von Spinges, 2. April 1797“, um 1800. (Bild aus: „Tiroler Almanach auf das Jahr 1802“, Innsbruck, Landesmuseum Ferdinandeum)
Radierung von C. Robert Schindelmayer: „Das Mädchen von Spinges, 2. April 1797“, um 1800. (Bild aus: „Tiroler Almanach auf das Jahr 1802“, Innsbruck, Landesmuseum Ferdinandeum)

Außer Katharina Lanz gab es noch weitere mutige Frauen, welche ihren Männern und Söhnen im Kampf zur Seite standen.

Der Historiker Meinrad Pizzinini berichtet darüber: „Im Eisacktal erlebten die Franzosen ebenfalls kühne Überraschungen. Von General Laudon aufgefordert, alles zu wagen, stritten besonders die Männer und Frauen (!) aus Latzfons unweit des Klosters Säben unerbittlich gegen den Feind. Als französische Scharfschützen am 3. April um fünf Uhr morgens über den Weg nach Latzfons heranrückten, um die Höhen zu gewinnen, kam es unweit der Häusergruppe Pardell zu heißen Kämpfen, wobei es immer wieder gelang, die Franzosen mit Stutzenfeuer und Steinhagel zurückzutreiben.

Hart umkämpft wurde das hoch am Berg gelegene Dorf Latzfons bei Klausen. (Historische Postkarte)
Hart umkämpft wurde das hoch am Berg gelegene Dorf Latzfons bei Klausen. (Historische Postkarte)

Ein besonderes Schauspiel leisteten sich die Frauen und Mädchen, die unter der Führung des ‚Thinner-Gretele‘, einer recht robusten bäuerlichen Frauengestalt, auf dem Verdingser Bühel oberhalb Pardell mit einer Mohnstampfe und Böllern erfolgreich ein Geschütz vortäuschten. Auf ein Alarmzeichen hin erhielten die Latzfonser Hilfe aus dem benachbarten Villanders, was den Franzosen nicht verborgen blieb. Sie wagten daher auch einen Angriff gegen das Dorf Villanders. Da sprangen die Frauen und Mädchen in die Bresche und gingen kompromisslos hart mit ihren Gegnern um, die nur kurze Zeit über die ‚Weiberwacht‘ zu Villanders lachten. Die ‚Weiber‘ schossen mit Büchsen und warfen mit Steinen, bis sich die Franzosen mit drei Toten und zwei Verwundeten zurückzogen. Ein kaiserliches Belobigungsdekret des Jahres 1800 gab ‚den Weibern und Mädchen der Gemeinde Villanders über diesen ebenso seltenen als ruhmreichen Beweis ihres Muthes und ihrer treuen Anhänglichkeit an Religion, Fürst und Vaterland das Allerhöchste landesfürstliche Wohlwollen zu erkennen.‘“ (Meinrad Pizzinini: „Andreas Hofer“, Wien 1984, S. 56)

Der kämpfenden Frauen wurde später auf historischen Postkarten ehrend gedacht.
Der kämpfenden Frauen wurde später auf historischen Postkarten ehrend gedacht.

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