Abschied von dem ehemaligen Freiheitskämpfer Claudius Molling

Claudius Molling wurde 1933 geboren und entstammte einer Familie mit engen historischen Bezügen zu Südtirol. Sein Großvater stammte aus Campill im Gadertal und übersiedelte nach Nordtirol. Seine Mutter wurde in Brixen als Tochter des Brauherrn Hugo Seidner geboren. Durch ihre Heirat mit dem Offizier Alois Molling kam sie nach Innsbruck. Alois Molling, der Vater von Claudius, diente im Ersten Weltkrieg als Offizier bei den Tiroler Kaiserschützen, bis er schwer verwundet wurde. 1945 zog er als Mandatar in den Tiroler Landtag ein.

Sein Sohn Claudius Molling war als akademischer Bildhauer, Maler und Restaurator tätig. Über den künstlerischen Bereich hinaus prägte ihn jedoch vor allem sein politisches Engagement.

Roland Lang, Obmann des „Südtiroler Heimatbundes“ berichtet:

Es erreicht uns die traurige Nachricht, dass der 1933 geborene ehemalige Freiheitskämpfer Claudius Molling am 31. Dezember 1925 im Alter von 92 Jahren in Innsbruck verstorben ist. Unser Beileid gilt seiner Frau Herlinde.

Von links nach rechts: Der ehemalige Freiheitskämpfer Univ.-Prof. Dr. Erhard Hartung, Claudius Molling, Dr. Herlinde Molling.
Von links nach rechts: Der ehemalige Freiheitskämpfer Univ.-Prof. Dr. Erhard Hartung, Claudius Molling, Dr. Herlinde Molling.

Der berühmte verstorbene akademische Bildhauer, Maler und Restaurator hatte zusammen mit seiner Frau an der Planung und Vorbereitung der „Feuernacht“ von 1961 mitgewirkt, in welcher zahlreiche Hochspannungsmasten in Südtirol als Protest gegen die Fortsetzung der faschistischen Unterdrückungspolitik gesprengt worden waren.

Darüber hat seine Frau Herlinde dokumentarisch in einem Buch berichtet.

Das Ehepaar Molling hatte in zahlreichen Fahrten nach Südtirol in ihrem Auto erhebliche Mengen Sprengstoff über die Grenze geschmuggelt. Das war ein sehr mutiges Unterfangen gewesen in einer Zeit, in welcher die Carabinieri gefangene Südtiroler Freiheitskämpfer unbarmherzig folterten.

Dieses Bild hatte der Freiheitskämpfer Kurt Welser aufgenommen und zeigt Herlinde Molling mit ihrem Auto in der Gegen von Mühlbach in Südtirol, die einen Sack voll Sprengstoff nach Südtirol geschmuggelt hatte. (Bild: Ausstellung „BAS Opfer für die Freiheit“ in Bozen)
Dieses Bild hatte der Freiheitskämpfer Kurt Welser aufgenommen und zeigt Herlinde Molling mit ihrem Auto in der Gegend von Mühlbach in Südtirol, die einen Sack voll Sprengstoff nach Südtirol geschmuggelt hatte. (Bild: Ausstellung „BAS Opfer für die Freiheit“ in Bozen)
Einer der vielen in Südtirol gesprengten Hochspannungsmasten. (Bild: Archiv)
Einer der vielen in Südtirol gesprengten Hochspannungsmasten. (Bild: Archiv)

Claudius Molling hatte zusammen mit seiner Frau auch an dem Betrieb des geheimen Untergrundsenders „Radio Freies Tirol“ mitgewirkt, welcher für das Recht der Südtiroler auf Selbstbestimmung eintrat.

Bis zu seinem Tod hat sich der Verstorbene zu der Forderung nach Selbstbestimmung bekannt, von welcher nicht abgewichen werden dürfe.

Roland Lang
Obmann des „Südtiroler Heimatbunds“ (SHB)

Der ehemalige Freiheitskämpfer Univ.-Prof. Dr. Erhard Hartung erinnert sich:

Der aus allen Tiroler Landesteilen abstammende, in Innsbruck geborene und dort lebende, sehr bekannte Bildhauer, Restaurator Claudius Molling war zu Beginn der 1960er Jahre einer der aktivsten Südtiroler Freiheitskämpfer in Österreich. Er organisierte gemeinsam mit seinen Kameraden Prof. Dr. Helmut Heuberger, Dr. Heinrich Klier und Kurt Welser reichlich Sprengstoff. Diesen transportierte er über Jahre gemeinsam mit seiner Frau Herlinde unbehelligt in seinem Auto nach Südtirol, wo er selbst an zwei Sprengungen von Strommasten beteiligt war. Ob seinen sehr bedachten, gut organisierten Aktivitäten ist er weder in Österreich noch in Italien vor Gericht gestellt worden. Stets unterstützte er den Südtiroler Freiheitskampf und pflegte guten Kontakt zu Georg Klotz, Kurt Welser und Dr. Helmut Heuberger.

Von links nach rechts: Dr. Helmut Heuberger, Dr. Heinrich Klier, Kurt Welser, Georg Klotz
Von links nach rechts: Dr. Helmut Heuberger, Dr. Heinrich Klier, Kurt Welser, Georg Klotz
Die „Pusterer Buabn“ Siegfried Steger, Heinrich Oberleiter, Heinrich Oberlechner und Sepp Forer. (Bild aus „Domenica del Corriere“ vom 11. Juli 1967)
Die „Pusterer Buabn“ Siegfried Steger, Heinrich Oberleiter, Heinrich Oberlechner und Sepp Forer. (Bild aus „Domenica del Corriere“ vom 11. Juli 1967)

Claudius Molling unterstützte die nach Österreich geflüchteten und auch dort polizeilich gesuchten Pusterer Buabn, denen er zeitweise im eigenen Haus in Hötting Quartier bot.

Die gegen den Wunsch und Willen der Bevölkerung sowie entgegen dem international garantiertem Recht auf Selbstbestimmung auf Anordnung Roms mit bis zu 40.000 italienische Soldaten erfolgte koloniale Besetzung Südtirols kritisierte er während seines gesamten Leben. Die seit 1961 erfolgten, schweren Folterungen von inhaftierten Südtiroler Freiheitskämpfern durch Carabinieri, welche ungesühnt blieben, und die Ermordung von Luis Amplatz durch einen gekauften Kriminellen, erschütterten Claudius Molling ebenso, wie die politische Verfolgung der für Südtirol tätigen Aktivisten in Italien und in seinem Vaterland Österreich. Gemeinsam mit seiner Frau Herlinde hat er mit Historikern, Politikern und Südtirol-Aktivisten in Bozen (Unter den Lauben) eine permanente Ausstellung über die 1960er Jahre mitorganisiert um die Wahrheit der Südtiroler Zeitgeschichte allgemein, auch für Italiener, die darüber zum guten Teil nicht informiert sind, zugänglich zu machen. Diese Ausstellung wird mehrsprachig derzeit räumlich und zeitlich, bis auf den Tiroler Freiheitskampf unter Andreas Hofer (1809) erweitert. (Ausstellung „BAS Opfer für die Freiheit“, Lauben 9, I-39100 Bozen. Di. – Fr. 10–12 Uhr und 15–17 Uhr, Sa. 10–12 Uhr)

Am 14. April 2012 hatte das Ehepaar Molling in Bozen an dem „Freiheitsmarsch“ des „Südtiroler Schützenbundes“ teilgenommen. Dieses Bild zeigt sie inmitten der Schützen.
Am 14. April 2012 hatte das Ehepaar Molling in Bozen an dem „Freiheitsmarsch“ des „Südtiroler Schützenbundes“ teilgenommen. Dieses Bild zeigt sie inmitten der Schützen.
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