Herwig Nachtmann – Ein tapferer Freiheitskämpfer und treuer Freund Südtirols hat uns verlassen

Bild: Archiv SID

Am 11. Juli 2026 wurde in Innsbruck der 1940 geborene und jetzt an den Folgen einer schweren Erkrankung verstorbene ehemalige Südtirol-Freiheitskämpfer Herwig Nachtmann zu Grabe getragen. Mehr als 200 Trauernde waren gekommen, unter ihnen zahlreiche Korporationsstudenten, denn Nachtmann war „Alter Herr“ der Innsbrucker Burschenschaft Brixia gewesen. Unter den Trauergästen sah man auch den ehemaligen Vizekanzler und Bundesminister Herbert Haupt.

Begräbnis von Herwig Nachtmann
Von einem Teilnehmer an dem Begräbnis aufgenommen
Grab von Herwig Nachtmann
Von einem Teilnehmer an dem Begräbnis aufgenommen

Herwig Nachtmann hatte in seiner Jugend die Handelsakademie in Innsbruck besucht und dann das Volkswirtschaftsstudium an der Universität in Innsbruck als Diplomvolkswirt abgeschlossen.

Als junger Bursch musste er wie alle Tiroler den von Kanonikus Michael Gamper aufgezeigten „Todesmarsch“ der Südtiroler schmerzlich miterleben und schloss sich daher zusammen mit anderen Studenten, von denen viele aus Studentenverbindungen kamen, dem „Befreiungsausschuss Südtirol“ (BAS) an.

Er war an dem „Laden“ der Hochspannungsmasten mit Sprengstoff vor der „Feuernacht“ – der Herz-Jesu-Nacht vom 11. auf den 12. Juni 1961 – beteiligt. In dieser Nacht wurden mehr als 40 Hochspannungsmasten als Protest gegen die Unterdrückung Südtirols gesprengt.

Zusammen mit anderen österreichischen Mitstreitern hatte Nachtmann im Rahmen eines harmlos wirkenden „Ausflugs im Reisebus“ einige vorher ausgesuchte Masten mit Sprengstoff und Zeitzündern versehen.

In der Herz-Jesu-Nacht gesprengter Mast in Südtirol
In der Herz-Jesu-Nacht gesprengter Mast in Südtirol. Bild: Archiv SID

Als den von den Carabinieri schwer gefolterten Südtiroler Freiheitskämpfern auch die Namen österreichischer Verbündeter entrissen wurden, kam es zu einer Verurteilung in Abwesenheit, ohne Ladung oder Zustellung einer Anklageschrift in Italien. In Österreich ebenfalls verfolgt, verbrachte er fast zwei Jahre im Exil in der Bundesrepublik Deutschland.

Schließlich wurde er auch in Österreich angeklagt, aber zusammen mit anderen Mitverschworenen in mehreren österreichischen Gerichtsverfahren freigesprochen. Die Geschworenen waren der Verantwortung der Angeklagten gefolgt, die sich auf einen übergesetzlichen Notstand in Südtirol berufen hatten.

Herwig Nachtmann im Grazer Südtirol-Prozess von 1965
Herwig Nachtmann (stehend) zusammen mit anderen Angeklagten im Grazer Südtirol-Prozess von 1965, der mit Freispruch endete. Bild: Archiv SID.

Als Journalist und Geschäftsführer eines Verlages trat Nachtmann immer wieder für Südtirol ein

Im Jahr 2009 wurde das Gedenken „200 Jahre Tiroler Freiheitskampf“ in Innsbruck mit einem Landesfestzug gefeiert, in welchem eine metallene Dornenkrone als Zeichen des Protestes gegen die Unterdrückung Südtirols sowie zahlreiche sehr deutliche Transparente mitgetragen wurden.

Transparent beim Landesfestzug 2009
Bild: Archiv SID
Herwig Nachtmann beim Landesfestzug 2009
Bild: Archiv SID
Dornenkrone beim Landesfestzug 2009
Bild: Archiv SID

Herwig Nachtmann trug der Dornenkrone voran eine Tafel, auf welcher die Tiroler Landeseinheit und ein „LOS VON ROM“ gefordert wurden.

Bis zu seinem Tod blieb Herwig Nachtmann seiner Gesinnung treu. Alle, die ihn gekannt haben, trauern um ihn.