Letztes Geleit für den Südtirol-Aktivisten Dr. Josef „Pepi“ Fontana

Bild: Bildschirmfoto aus einer ORF-Sendung

Unter diesem Titel berichtete der „Südtiroler Schützenbund“ (SSB) über das Ableben und die Beerdigung eines ehemaligen Südtiroler Freiheitskämpfers, der sich nach der Freilassung aus langer Haft als herausragender Historiker einen Namen gemacht hatte.

Nachstehend der SSB-Nachruf in gekürzter Form:

Am 10. Juni 2026 wurde der Ehrenkranzträger des Südtiroler Schützenbundes, Dr. Josef „Pepi“ Fontana, unter großer Anteilnahme der Bevölkerung und begleitet von zahlreichen Schützen und Marketenderinnen zur letzten Ruhe geleitet.

Der Trauergottesdienst fand in der Kapuzinerkirche von Neumarkt im Unterland, dem Heimatort des Verstorbenen, statt.

(Bild: SSB)
(Bild: SSB)

Dort zeichnete die ehemalige SVP-Landesrätin Martha Stocker das Leben und Wirken Josef Fontanas nach. Er habe zu jenen gehört, die in der schweren Zeit Südtirols Verantwortung übernommen hätten, um auf schreiende Ungerechtigkeiten aufmerksam zu machen. Dabei sei er einer der klarsten Vertreter der Linie Sepp Kerschbaumers gewesen, der stets die Maxime ausgegeben hatte, kein Menschenleben zu gefährden.

(Bild: SSB)
(Bild: SSB)

Auch auf den hohen persönlichen Preis, den Josef Fontana für seinen Einsatz bezahlt hatte, ging Martha Stocker ein. Fast acht Jahre verbrachte er im Gefängnis.

Josef Fontana im Gefängnis von Trient (Bild: Archiv SID)
Josef Fontana im Gefängnis von Trient (Bild: Archiv SID)

Diese Zeit nutzte er zur intensiven Beschäftigung mit europäischer Geschichte, Kultur- und Geistesgeschichte, Literatur und Malerei. Später studierte er Geschichte, Germanistik und Philosophie an der Universität Innsbruck und promovierte mit seinem umfassenden Werk über den Kulturkampf in Tirol, das zu einem Standardwerk der tirolischen Geschichtsschreibung wurde.

Universitätsverlag Wagner, Innsbruck
Universitätsverlag Wagner, Innsbruck

Besonders hervorgehoben wurde auch Fontanas jahrzehntelanges Wirken im kulturellen und wissenschaftlichen Bereich. Als Generalsekretär des Südtiroler Kulturinstituts von 1985 bis 1999 widmete er sich in vielfältiger Weise der Kulturarbeit. Daneben entstanden zahlreiche wissenschaftliche Arbeiten, darunter bedeutende Werke zur Geschichte Tirols.

Zusammen mit dem Südtiroler Historiker Hans Mayr verfasste Josef Fontana eine Biographie von Sepp Kerschbaumer. (Edition Raetia, Bozen, 2000)
Zusammen mit dem Südtiroler Historiker Hans Mayr verfasste Josef Fontana eine Biographie von Sepp Kerschbaumer. (Edition Raetia, Bozen, 2000)

Am offenen Grab auf dem Friedhof von Neumarkt ergriff Landeskommandant Christoph Schmid das Wort. In seiner Grabrede würdigte er Dr. Josef „Pepi“ Fontana als einen Menschen, der sein Leben in besonderer Weise in den Dienst seiner Heimat gestellt habe.

Christoph Schmid, Landeskommandant des „Südtiroler Schützenbundes“ (SSB) bei seiner Ansprache. (Bild: SSB)
Christoph Schmid, Landeskommandant des „Südtiroler Schützenbundes“ (SSB) bei seiner Ansprache. (Bild: SSB)

Fontana sei Historiker, Forscher, Chronist und Zeitzeuge gewesen – aber mehr noch: ein Südtiroler, der gewusst habe, woher er komme und was seinem Land widerfahren sei.

Schmid erinnerte daran, dass Josef Fontana jener Generation angehörte, die Unterdrückung, Entnationalisierung und Italianisierung nicht nur aus Büchern kannte, sondern aus dem eigenen Erleben und aus dem Schicksal des Volkes. Gerade deshalb dürfe man mit aller Klarheit sagen, dass ohne Männer wie Josef Fontana die Italianisierung Südtirols nicht gestoppt worden wäre.
Vieles von dem, was heute selbstverständlich erscheine – Sprache, Schule, Kultur, Eigenständigkeit und das Bewusstsein als Tiroler im Süden des Landes – sei nicht vom Himmel gefallen, sondern erkämpft, verteidigt und bewahrt worden.

Die angetretene Schützenkompanie Neumarkt. (Bild: SSB)
Die angetretene Schützenkompanie Neumarkt. (Bild: SSB)

Nach der Grabrede spielte die Bläsergruppe der Musikkapelle Neumarkt die Weise vom Guten Kameraden. Als letzte Ehrenbezeugung für ihr verstorbenes Ehrenmitglied feuerte die Schützenkompanie Neumarkt eine Ehrensalve ab. Anschließend wurde die Schützenfahne dreimal über das offene Grab gesenkt.

Die Schützenkompanie Neumarkt mit ihrer Fahne. (Bild: SSB)
Die Schützenkompanie Neumarkt mit ihrer Fahne. (Bild: SSB)

Mit Dr. Josef „Pepi“ Fontana verliert Südtirol einen aufrechten Patrioten, einen gewissenhaften Historiker und einen stillen, aber unbeirrbaren Diener der Wahrheit. Der Südtiroler Schützenbund wird ihm ein ehrendes Andenken bewahren.

SHB trauert um Dr. Josef „Pepi“ Fontana: Ein aufrechter Tiroler ist von uns gegangen

 

Roland Lang, Obmann des von ehemaligen Südtiroler Freiheitskämpfern und Häftlingen gegründeten „Südtiroler Heimatbundes“ (SHB), würdigte am 5. Juni 2026 in einem Nachruf den im 89. Lebensjahr verstorbenen „bedeutenden Historiker“ und „unbeirrbaren Kämpfer für die Rechte seiner Tiroler Heimat“.

In der Haft war Fontana an Tuberkulose erkrankt, „doch selbst Krankheit und Gefangenschaft konnten seinen Willen nicht brechen.“ Mit ihm verliere „unsere Heimat eine prägende Persönlichkeit, einen engagierten Wissenschaftler und einen der letzten Vertreter jener Generation, die den Freiheitskampf aus eigener Erfahrung kannte. Sein Leben steht für Standhaftigkeit, Mut, Kompromisslosigkeit und Treue zu Tirol. Der Südtiroler Heimatbund wird ihm stets ein ehrendes Andenken bewahren.“




Bozen: Haus der Tiroler Geschichte eröffnet neue Ausstellungsräume

In Bozen wird das „Haus der Tiroler Geschichte“ erweitert: Am Freitag, 29. Mai 2026, werden in der Gumergasse zwei neue Ausstellungsräumlichkeiten eröffnet. Sie widmen sich Andreas Hofer sowie den Standschützen – und damit zwei Themen, die für das geschichtliche Selbstverständnis Tirols von besonderer Bedeutung sind.

Andreas Hofer und die Standschützen im Mittelpunkt

Die neuen Ausstellungsbereiche tragen die Titel „Andreas Hofer – Erinnerung, Kunst, Identität“ und „Standschützen – Das letzte Aufgebot“. Damit rückt das „Haus der Tiroler Geschichte“ zwei Kapitel in den Mittelpunkt, die bis heute weit über reine Geschichtsdarstellung hinausweisen: Es geht um Erinnerungskultur, Heimatbewusstsein und die Frage, wie prägende Gestalten und Ereignisse der Tiroler Geschichte an kommende Generationen weitergegeben werden.

Die Ausstellungsräume sind am Eröffnungstag von 16.00 bis 20.00 Uhr geöffnet. Das offizielle Programm beginnt um 17.00 Uhr.

Festakt ab 17 Uhr

Zur Eröffnung spricht Mag. Andreas Schwaighofer, Obmann des Vereins „Südtiroler Geschichte“, Grußworte. Die Festrede hält Alt-Landeshauptmann Dr. Herwig van Staa, der auch dem Ausstellungsbeirat angehört. Außerdem sind Bemerkungen zur Ausstellung sowie die Segnung der neuen Räumlichkeiten durch Reinald Romaner vorgesehen.

Musikalisch umrahmt wird die Feier vom Posaunenquartett „Sonoro“. Für die Verpflegung der Gäste sorgt die Girlaner Dorfmetzgerei, für die Sicherheit bei der Veranstaltung die Salurner Schützen.

Ort der Erinnerung in Bozen

Mit der Erweiterung gewinnt das „Haus der Tiroler Geschichte“ in Bozen weiter an Gewicht als Ort der historischen Erinnerung. Gerade die Themen Andreas Hofer und Standschützen zeigen, wie eng Geschichte, Identität und Gegenwart in Tirol miteinander verbunden sind. Die Eröffnung bietet daher nicht nur einen Blick auf neue Ausstellungsräume, sondern auch Gelegenheit, sich mit zentralen Fragen der Tiroler Geschichte auseinanderzusetzen.

Termin: Freitag, 29. Mai 2026, 16.00 bis 20.00 Uhr
Offizieller Beginn: 17.00 Uhr
Ort: Haus der Tiroler Geschichte, Gumergasse, Bozen
Weitere Informationen: www.hausdergeschichte.tirol




Ein hingebungsvoller Priester – ein treuer Freund – hat uns für immer verlassen

Am 12. März .26 verstarb Pater Walther Marzari. Am gleichen Tag veröffentlichte der „Südtiroler Schützenbund“ (SSB) nachstehenden Nachruf seines Landeskommandanten Mjr. Christoph Schmid:

Traueranzeige der Eurachistiner (Kongregation vom Allerheiligsten Sakrament – Societas Sanctissimi Sacramenti, Ordenskürzel: SSS)
Traueranzeige der Eurachistiner (Kongregation vom Allerheiligsten Sakrament – Societas Sanctissimi Sacramenti, Ordenskürzel: SSS)

Schützen trauern um P. Walter Marzari S.S.S. – Ein Priester mit Rückgrat

BOZEN – Mit tiefer Trauer, aber mit großer Dankbarkeit nimmt der Südtiroler Schützenbund Abschied von Eucharistiner-Pater Walter Marzari SSS, der heute im Alter von 84 Jahren verstorben ist.

Pater Walter Marzari wurde am 7. April 1941 in Proveis am Deutschnonsberg geboren. Schon früh verspürte er den Wunsch, Priester zu werden. Sein Weg führte ihn zu den Eucharistinern, in deren Gemeinschaft er 1959 eintrat. Nach philosophisch-theologischen Studien in Freiburg und Wien legte er 1967 die ewige Profess ab und wurde am 21. Juni 1970 in Wien zum Priester geweiht. Im selben Jahr promovierte er zum Doktor der Theologie.

Die Pfarrkirche von Proveis am Deutschnonsberg, in welcher Pater Marzari getauft worden war. (Bild: Archiv)
Die Pfarrkirche von Proveis am Deutschnonsberg, in welcher Pater Marzari getauft worden war. (Bild: Archiv)
Sein Wirken war geprägt von außergewöhnlicher Vielseitigkeit, großer geistiger Tiefe und einem starken sozialen Engagement. Nach ersten seelsorglichen Aufgaben in Meran und Wien verbrachte er mehrere Jahre als Missionar in Kamerun.
Ein bemerkenswertes Kapitel seines Lebens begann, als er – bereits im Erwachsenenalter – ein Medizinstudium in Wien aufnahm und 1982 zum Doktor der Medizin promovierte. Nach weiterer Ausbildung, unter anderem in Tropenmedizin in Antwerpen, wirkte er von 1984 bis 1987 als Priesterarzt in Kinshasa (Zaire) und arbeitete dort als Zonen-Chefarzt im WHO-Projekt „Gesundheit für alle im Jahr 2000″.
Zurück in Südtirol übernahm Pater Marzari verschiedene Aufgaben innerhalb seines Ordens, unter anderem als Heimleiter des Eucharistiner-Studentenheimes in Bozen und als Hausoberer der Eucharistiner in Meran. Darüber hinaus war er Religionslehrer am Vinzentinum in Brixen und widmete sich intensiv wissenschaftlicher und publizistischer Arbeit. Besonders hervorzuheben ist seine Übersetzungsarbeit der Schriften des Ordensgründers Peter Julian Eymard sowie mehrere Veröffentlichungen zu historischen und kirchlichen Themen.

 

Der Altarraum der 1899 eingeweihten Eucharistinerkirche in Bozen. (Bild: www.glorie.at)
Der Altarraum der 1899 eingeweihten Eucharistinerkirche in Bozen. (Bild: www.glorie.at)
Dem Südtiroler Schützenbund war Pater Walter Marzari auch als Autor verbunden. Mit seinem Buch „Dokumentation zum Gelöbnis 1796″ leistete er einen wertvollen Beitrag zur Aufarbeitung der Tiroler Geschichte und zur Erinnerungskultur unseres Landes. 2006 veröffentlichte er zudem das Buch „Kanonikus Michael Gamper – Sein Leben für Glauben und Heimat gegen Faschistenbeil und Hakenkreuz in Südtirol“, das er der im Jahr zuvor neugegründeten Schützenkompanie „Kanonikus Michael Gamper“ Proveis widmete.

 

Sepp Kerschbaumer. (Bild aus einem Video des SSB)
Sepp Kerschbaumer. (Bild aus einem Video des SSB)
Unvergessen bleibt seine legendäre „Kreuzl-Predigt“ bei der Sepp-Kerschbaumer-Gedenkfeier 1991 in St. Pauls, für die er vom bischöflichen Ordinariat die „Gelbe Karte“ erhielt. Der inoffizielle Schützenkurat ließ sich davon jedoch nicht beirren und nahm ein Jahr später erneut als Zelebrant an der Kerschbaumer-Feier teil. Daraufhin wurde ihm ein Predigtverbot auferlegt und er wurde nach Wien versetzt.

 

Pater Walter Marzari (Bild: SSB)
Pater Walter Marzari (Bild: SSB)

Pater Walter Marzari war ein Mann mit klaren Überzeugungen, tiefem Glauben und großem Verantwortungsbewusstsein gegenüber Kirche, Gesellschaft und Heimat. Sein Lebensweg – geprägt von geistlichem Dienst, wissenschaftlicher Arbeit, medizinischer Hilfe für Bedürftige und historischem Interesse zeugt von außergewöhnlicher Hingabe und Mut.

„Der Südtiroler Schützenbund wird Pater Walter Marzari ein ehrendes Andenken bewahren und spricht seinen Mitbrüdern im Orden sowie allen Angehörigen und Weggefährten sein aufrichtiges Beileid aus“, so Mjr. Christoph Schmid, Landeskommandant des Südtiroler Schützenbundes.

Vergelt’s Gott für dein Wirken. Ruhe in Frieden.




Freiheitskämpfer Siegfried Steger durfte erst als Toter in seine Heimat zurück

(Bild: SSB)

 

Nachstehend der Bericht des Südtiroler Schützenbundes (SSB) über seine letzte Reise und über die Gedenkrede des Schützen Harald Laner von der Kompanie Taufers.

Siegfried Steger im Jahre 2006, als ihm die Schützenkompanie Oberwielenbach dieses Bild überreichte. Unter dem Kreuz steht geschrieben: „Für Freiheit und Recht.“ (Bild: SSB). Ganz links im Bild der ehemalige Freiheitskämpfer Univ.-Prof. Dr. Erhard Hartung
Siegfried Steger im Jahre 2006, als ihm die Schützenkompanie Oberwielenbach dieses Bild überreichte. Unter dem Kreuz steht geschrieben: „Für Freiheit und Recht.“ (Bild: SSB). Ganz links im Bild der ehemalige Freiheitskämpfer Univ.-Prof. Dr. Erhard Hartung

Roland Lang, der Obmann des Südtiroler Heimatbundes (SHB), nahm Abschied von dem toten Freiheitskämpfer. (Bild: SHB)
Roland Lang, der Obmann des Südtiroler Heimatbundes (SHB), nahm Abschied von dem toten Freiheitskämpfer. (Bild: SHB)

„Von der Heimat musste ich gehen, zu meiner Heimaterde kehre ich zurück.“

MÜHLEN IN TAUFERS – Am Samstag, dem 28. Februar 2026, wurde der Freiheitskämpfer Siegfried Steger unter großer Anteilnahme der Bevölkerung und begleitet von über 1.000 Schützen und Marketenderinnen zur letzten Ruhe im Herrn geleitet.

(Bild: SSB)
(Bild: SSB)
Nach dem Rosenkranzgebet in der Kirche zur Hl. Katharina und Hl. Florian in Mühlen setzte sich der lange Trauerzug, angeführt von Bezirksmajor Thomas Innerhofer, in Richtung Pfarrkirche Maria Himmelfahrt in Sand in Taufers in Bewegung. Dekan Franz-Josef Campidell zelebrierte dort den feierlichen Trauergottesdienst, der vom Kirchenchor und der Musikkapelle Mühlen in würdiger Weise musikalisch mitgestaltet wurde.

 

Der endlose Trauerzug. (Bild: SSB)
Der endlose Trauerzug. (Bild: SSB)

(Bild: SSB)
(Bild: SSB)
Am Friedhof spielte die Musikkapelle Mühlen einen Trauermarsch, bevor Harald Laner die ergreifende Grabrede hielt, die wir weiter unten vollinhaltlich wiedergeben. Als letzte Ehrenbezeugung für ihr verstorbenes Ehrenmitglied Siegfried Steger feuerte die Schützenkompanie Taufers eine Ehrensalve ab.

(Bild: SSB)
(Bild: SSB)

(Bild: SSB)
(Bild: SSB)
Die Musikkapelle Mühlen spielte die Weise vom „Guten Kameraden“. Abschließend wurde von den Anwesenden spontan die Tiroler Landeshymne angestimmt. Es war ein beeindruckender und würdiger letzter Gruß an den „Puschtra Bui“.

Gedenkrede von Harald Laner

Harald Laner (Bild: SSB)
Harald Laner (Bild: SSB)
Die Fahne allein genügt nicht; es braucht Männer, die sie tragen.
Die Wahrheit allein genügt nicht; es braucht Männer, die sie sagen.
Die Freiheiten, die für uns am Himmel hängen, genügen nicht; es braucht Männer, die sie herunterholen.
Einer dieser Männer war auch der Goll Siegfried! (Anm.: „Goll“ war der Hofname)

 

Nach dem Zweiten Weltkrieg hat das demokratische Italien die Unterdrückungspolitik der Faschisten nahezu nahtlos übernommen – mit dem einen Ziel, das südliche Tirol zu einer italienischen Provinz zu machen.

In dieser Zeit großer Bedrängnis bist du mit anderen aufrechten Tirolern aufgestanden, und ihr habt euch gegen das Unrecht zur Wehr gesetzt! Nicht aus jugendlichem Leichtsinn, sondern aus tiefer Verantwortung gegenüber unserem Volk und unserem Land habt ihr „Puschtra Buibm“ euch damals zum bewaffneten Widerstand entschlossen. Es schien euch das letzte Mittel, um auf die ungerechte Situation in Südtirol aufmerksam zu machen.

In Bologna war Siegfried Steger am 14. Mai 1969 in Abwesenheit zu lebenslangerHaft verurteilt worden. (Bild: Dolomiten vom 16. Mai 1969)
In Bologna war Siegfried Steger am 14. Mai 1969 in Abwesenheit zu lebenslangerHaft verurteilt worden. (Bild: Dolomiten vom 16. Mai 1969)
Durch die Verurteilung zu lebenslänglichen Haftstrafen konntet ihr die Heimat nicht mehr betreten. Als wir vor fast 20 Jahren, am 21. Dezember 2006, deinen Kameraden Heinrich hier zu Grabe geleiteten, hofften wir sehr, dass du die Heimat noch einmal sehen kannst – aber leider war der italienische Staat nicht fähig, hier einen Akt der Menschlichkeit zu setzen …

Und jetzt – nach über 60 Jahren – darfst du heimkehren! Heimkehren in die Heimaterde … 60 Jahre Sehnsucht im Herzen, die geliebte Heimat doch noch einmal zu sehen …

Mühlen in Taufers (Bild: suedtirol.com)
Mühlen in Taufers (Bild: suedtirol.com)
O du mein teures Dörflein Mühlen, du bist für mich der schönste Ort.
Ich denk so oft und lass dich grüßen, vergess dich nie – nie für immer fort.

David Oberhollenzer (Bild: Archiv der Kameradschaft ehemaliger Freiheitskämpfer)
David Oberhollenzer (Bild: Archiv der Kameradschaft ehemaliger Freiheitskämpfer)

Diese Strophe des Tauferer Liedes, das David Oberhollenzer nach grausamen Folterungen im Gefängnis gedichtet hat, drückt auch die Gedanken und Gefühle von Siegfried aus.

In einem Interview sagte er: „Für mich ist es eine große Belastung, im Exil leben zu müssen, ohne die Hoffnung, die geliebte Heimat wieder einmal sehen zu können. Es vergeht kaum ein Tag, an dem man nicht an die Heimat denkt. Besonders zu Weihnachten und an bestimmten Feiertagen. Auch wenn Hochzeiten, Taufen und Dergleichen stattfinden. Vor allem aber, als die Eltern zu Grabe getragen wurden, schmerzte die Seele. Die Zeit heilt zwar Wunden, aber die Narben in der Seele bleiben bis zum Tod.“

Du und deine Kameraden habt euch mit selbstlosem Einsatz für Südtirol eingesetzt. Das große Ziel war die Selbstbestimmung und die Wiedervereinigung Tirols. Dieses Ziel wurde leider nicht erreicht.

Mit einer Flugschrift zeigte die Nordtiroler Landesregierung im Jahr 1946 die Zerreißung des historischen Landes Tirol auf.

Aber die heutige Autonomie verdanken wir vor allem den Opfern der Freiheitskämpfer der 1960er-Jahre.

Opfer muss es geben. Joachim Fernau legte in seinem Buch „Ist Heldentod sinnlos?“ Andreas Hofer folgende Worte in den Mund – und ich glaube, auch Siegfried hätte sie so sagen können:

„Wenn es einmal so weit kommt, dass es keine Opfer mehr gibt, dann wird die Erde öde und leer werden! Ist denn das nichts wert, dass die Menschen so ein Beispiel wie unseres sehen? Gilt das nicht, dass die Herzen höherschlagen? So ein Beispiel – niemand kann es mehr auslöschen, es ist da, gegen den Kleinmut und gegen den elenden Bauch, der nur nach Essen und Schlafen schreit.

Es ist da, damit die Menschen merken, was man kann, wenn man aufsteht und mutig ist.

Man bekommt keine Heimat geschenkt! Die Heimat muss man mit dem Herzen packen, und das Herz muss dazu offen sein – und am offensten ist ein wundes Herz; da muss die Heimat hinein. Das brennt! Ich weiß.

Deine Heimat. (Gemälde von Thomas Walch 1923)
Deine Heimat. (Gemälde von Thomas Walch 1923)
Aber wenn es das alles einmal nicht mehr geben sollte, dann wird ein Volk keine Heimat mehr haben; es wird überall und nirgends sein können.“

Und wir? Sind auch wir bereit, für unsere Heimat Opfer zu bringen? Einzutreten für unsere Tiroler Kultur und Geschichte, für den Erhalt der deutschen Sprache und vor allem festzuhalten am überlieferten Glauben der Väter?

Oder lassen auch wir uns vom antichristlichen Zeitgeist beeinflussen, der seit Jahrzehnten über den europäischen Kontinent weht – wo unter dem Deckmantel der Toleranz das christliche Erbe und alles, was mit Patriotismus, Heimatliebe, Tradition, Erhalt der Familie, Werten und Idealen zu tun hat, lächerlich gemacht oder sogar unterdrückt wird?

Gefördert wird eine Spaß- und Konsumgesellschaft, um den Menschen vom wahren Sinn des Lebens abzulenken und ihn dadurch leichter manipulieren zu können.

Setzen wir uns ein für die Erhaltung unserer Tiroler Heimat und kehren wir zurück zum katholischen Glauben unserer Väter.

Auch hier kann uns Siegfried ein Vorbild sein. In den letzten Jahren seines Lebens hat er den Rosenkranz lieben gelernt und die Heilige Messe geschätzt. So hat er sich am 21. Februar, gestärkt durch die Sakramente der heiligen Kirche, auf den Weg zu seinem Schöpfer gemacht.

Und wir begleiten ihn mit unserem Gebet.

(Bild: SSB)
(Bild: SSB)
Lieber Siegfried, wir sagen dir ein aufrichtiges Vergelt’s Gott für deinen unermüdlichen Einsatz für Tirol! Deine Treue und deine Liebe zur Heimat sind für uns Auftrag und Vermächtnis.

So läutet jetzt noch einmal die große Glocke von Taufers als letzter irdischer Gruß der Pfarrgemeinde.

Himmlischer Vater, nimm ihn nun auf in die ewige Heimat!