Was bedeutet uns Heutigen das Leben und Sterben des Andreas Hofer?

Gedenkfeiern in Südtirol und Italien

In ganz Südtirol fanden in den letzten Tagen würdige Gedenkfeiern anlässlich des 209. Todestages des Freiheitshelden Andreas Hofer statt. Aus der großen Zahl dieser Veranstaltungen seien hier nur einige wenige bemerkenswerte Höhepunkte berichtet.

„Für ein freies, selbstbestimmtes und vereintes Land!“

Seit 35 Jahren gedenkt der Südtiroler Schützenbund alljährlich am 20. Februar in Mantua der Erschießung Andreas Hofers. Dieses Jahr richtete der Schützenbezirk Pustertal an dem Andreas-Hofer-Denkmal im Stadtteil Cittadella, an der Todesstätte des Freiheitskämpfers, die Feier aus. Der Einladung waren 35 Fahnenabordnungen mit rund 300 Schützen und Marketenderinnen, sowie Abordnungen von Traditionsverbänden gefolgt, die von Vertretern der Stadtgemeinde Mantua herzlich begrüßt wurden.

Der Landeskommandant-Stellvertreter des Südtiroler Schützenbundes, Schützenmajor Heinrich Seyr, hielt eine bemerkenswerte Rede, in der er Andreas Hofer kritisch in einen Vergleich mit heutigen Vertretern der Politik stellte:

„Man vergisst bei der kritischen Durchleuchtung Hofers allzu gern, dass Hofer keiner jener heutigen Doppelverdiener war, keiner jener viel zitierten Postenschächer, keiner, der seine eigenen Vorteile vor jenes der Allgemeinheit gesetzt hat. Hätte er es auf Wirtschaftlichkeit angelegt gehabt, hätte er sich am Sandwirtshaus nur stillhalten brauchen. Fleißig Vorspanndienste leisten müssen und dafür österreichisches, französisches und bayerisches Geld einstecken können. Aber er tat das Gegenteil, er rückte aus, hielt seinen Kopf hin für die vermeintliche Freiheit und verbreitete Hoffnung und Träume. Er war keiner, der nur große Worte schwang. Bescheiden, wortkarg und einfach war er, ein Mann der Tat, schon das allein lässt ihn im direkten Vergleich mit seinesgleichen der Gegenwart sehr wohl ein Held und Vorbild sein.“

Major Seyr richtete die Frage an die Teilnehmer, welche Menschen wohl vorzuziehen seien? Jene, die wie Andras Hofer für die Heimat eintreten, oder jene, die für augenblicklichen Gewinn die Zukunft verkaufen?

Der Schützenmajor forderte dazu auf, an eine Zukunft zu denken, in der Südtirol kein Teil des italienischen Staates mehr sein solle.

„Italien wird ein Fass ohne Boden bleiben, Italien ist nicht zu retten, für uns Tiroler im Süden braucht es neue Visionen. Träumen allein genügen dabei freilich nicht. Wir müssen erkennen, dass man diese erst dann verwirklichen kann, wenn wir uns entschließen, einmal daraus zu erwachen. … Wir müssen uns auf den Weg machen. Was heute als Zukunftsroman beginnt, wird man morgen vielleicht als Reportage einer Erfolgsgeschichte zu Ende schreiben können. … Deshalb braucht es Frauen und Männer, die gängige Denkmuster verlassen und über ihren geistigen Tellerrand hinausdenken. Die Geschichte lehrt uns, dass nichts bleibt wie es war, und vor allem, kein Staatsgebilde für die Ewigkeit bestimmt ist….  Deshalb muss für uns gelten, das Vermächtnis Hofers, und das Vermächtnis all unser Vorfahren weiterzutragen. Einzustehen für die Freiheit und gemeinsam, mit allen Menschen guten Willens, an der sicheren Zukunft für ein freies, selbstbestimmtes und vereintes Land zu arbeiten.

An der Vergangenheit kann man nichts ändern. Die Gegenwart kann man manchmal auch nicht ändern. Aber man kann die Zukunft gestalten! Man muss sie gestalten: Das ist unsere Pflicht der Heimat gegenüber.

Schützen Heil!“

Mit Feuer im Herzen etwas für Heimat bewegen

Auf der großen Südtiroler Landesfeier in Meran hielt die 18-jährige Miss Südtirol Felicia Gamper die Gedenkrede.

Die Festrednerin Felicia Gamper neben dem Landeskommandanten des Südtiroler Schützenbundes, Elmar Thaler

Sie sagte, dass der Freiheitskämpfer Andreas Hofer bereit gewesen sei, für unser wertvolles Tirol zu kämpfen und alles für seine Wertvorstellungen und das Erreichen seiner Ziele zu geben, sogar sein Leben.

„Andreas Hofer hatte den Antrieb, unserem Land zu helfen, unsere Kultur, unsere Traditionen, unseren Glauben und unsere Sprache zu bewahren. Es war auch später eine Herausforderung für das Tiroler Volk, seinen Wurzeln treu zu bleiben, trotz Weltkriegen, Nationalsozialismus und Faschismus.“

In Bezug auf die Menschen in Südtirol betonte die Rednerin, „dass sie es immer wieder geschafft haben, zusammenzuhalten und sich treu zu bleiben.“ An die Marketenderinnen und Schützen richtete Felicia Gamper, die auch Marketenderin der Schützenkompanie St. Pankraz in Ulten ist, die Botschaft:

„Erst, wenn wir das Feuer im Herzen spüren, können wir etwas bewegen. Ich wünsche euch, dass ihr täglich den Mut aufbringt, das ‚Warum‘ zu finden, zu leben und dadurch für euch und auch für unser schönes Heimatland etwas zu bewegen.“

Landeskommandant Elmar Thaler ging in seiner Begrüßungsrede darauf ein, dass die Zugehörigkeit Südtirols zum italienischen Staat für den südlichen Teil Tirols negativ sei. Er forderte die Festgäste dazu auf, „einen Blick auf die Geschichte zu werfen, als Tirol noch eins war, als wir nicht von italienischen Politikern, italienischer Verwaltung und italienischen Gewohnheiten … abhängig waren“.

Die Tradition des Eintretens für die Freiheit – von 1809 bis heute

In Margreid hielt Roland Lang, der Obmann des von ehemaligen Freiheitskämpfern und politischen Häftlingen gegründeten „Südtiroler Heimatbundes“ (SHB), die Rede, in welcher er den Bogen von der ruhmreichen Zeit Andreas Hofers bis hin in die Gegenwart spannte.

Es sei ihm eine Ehre, sagte Lang, hier in Margreid vor Schützen sprechen zu können, deren Vorgänger und Vorfahren in mehreren Jahrhunderten und zuletzt als Standschützen im Ersten Weltkrieg vielfach ihren Beitrag zur Landesverteidigung geleistet hatten.

Die Tiroler hätten 1809 allen unterworfenen Völkern ein Beispiel ihres Freiheitswillens gegeben. „Tirol musste sich dann 1915 wieder selbst verteidigen. Während im ersten Kriegsjahr die besten militärischen Verbände an der Ostfront gekämpft und geblutet haben, haben die Standschützen zuerst alleine, später dann mit zu Hilfe gekommenen bayrischen Soldaten und dem österreichischen Militär die Süd Front unsere Heimat verteidigt.

Wie im Sturmjahr 1809 hatte sich das Volk erhoben. Nach dem Gesetz noch nicht wehrpflichtige Knaben und für den Felddienst zu alte Männer eilten zu den Schießständen, um sich eintragen zu lassen. Auch wer schon vorher als Schütze einem Schießstand beigetreten war, hatte sich damit freiwillig zur Landesverteidigung verpflichtet gehabt und rückte jetzt an die bedrohte Grenze. Dann leisteten die Standschützen auf ihre altehrwürdigen Schützenfahnen das Gelöbnis, welches viele von ihnen bald mit ihrem Leben besiegeln sollten:

‚Wir schwören zu Gott dem Allmächtigen einen feierlichen Eid … gegen jeden Feind … tapfer und mannhaft zu streiten, unsere Truppen, Fahnen und Geschütze in keinem Falle zu verlassen … und auf diese Weise mit Ehren zu leben und zu sterben, so wahr uns Gott helfe! Amen!‘

In der Stunde höchster Bedrängnis bildeten sich auch in Oberösterreich, Salzburg und Steiermark freiwillige Schützenregimenter, die der bedrängten Südfront zu Hilfe eilten.

Es ist von höchster Symbolik, dass zu Kriegsende Tiroler Standschützen und die Freiwilligen Schützen Kärntens, Oberösterreichs, Salzburgs und der Steiermark auf dem höchsten Berg Tirols, dem Ortler, standen und ihre Stellungen hielten, bis im November 1918 Tirol dem Feinde kampflos preisgegeben werden musste.

Das Opfer der Standschützen und Freiwilligen Schützen war jedoch nicht vergebens gewesen. So wie das Beispiel Andreas Hofers und seiner Mitstreiter, so prägten auch die Helden von 1915 bis 1918 den Geist der nachfolgenden Generationen und vermittelten ihnen den Stolz auf die Taten der Väter und Großväter.“

Lang erinnerte an den Widerstand gegen den Faschismus und Nationalsozialismus und erinnerte dann an die Freiheitskämpfer der 1960er Jahre:

„Ein entschlossenes Nein zur Erniedrigung ihrer Heimat setzten die Freiheitskämpfer der sechziger Jahre der Weiterführung der faschistischen Unterdrückungspolitik durch das demokratische Italien entgegen. Vergessen wir die Opfer nicht, die selbstlose Männer und Frauen in den sechziger Jahren für die Heimat erbrachten.“

Dann kam der SHB-Obmann auf die aktuelle Lage in Südtirol zu sprechen und wies warnend auf die: „Politik der Anbiederung, der ängstlichen Nachgiebigkeit gegenüber Rom“ hin, die in Südtirol Einzug gehalten habe!

Es gelte nun, aus einem „Geist der Verantwortung vor der Heimat, vor Gott und den Menschen … wir in demokratischer Friedensgesinnung für unser Volk“ zu leben und zu handeln.

„Ehre, Treue, Gottvertrauen und die Liebe zum Land Tirol!“

In Olang hielt Werner Neubauer, Abgeordneter zum Österreichischen Nationalrat und FPÖ-Südtirol-Sprecher, die Gedenkrede. Der Abgeordnete Neubauer ist auch Mitglied der Schützenkompanie Major Josef Eisenstecken in Gries, welcher der im Auftrag des italienischen Staates 1964 ermordete Freiheitskämpfer Luis Amplatz angehört hatte.

Jede völkische Minderheit, sagte Neubauer, benötige für die Aufrechterhaltung seiner Identität ein geschlossenes Siedlungsgebiet, eine gemeinsame Sprache und gemeinsame Traditionen.

Wenn ein Staat einer Minderheit die Identität rauben wolle, so müssten sich die Betroffenen an jenen Menschen orientieren, „die selbst in schweren Zeiten das Tiroler Wesen gelebt, vorgelebt und es – selbst durch den Einsatz des eigenen Lebens – verteidigt haben! Sie wurden so zu Vorbildern in ganz Tirol, ja über die Landesgrenzen hinaus.“

Zu diesen großen Vorbildern gehöre Andreas Hofer, aber auch der Olanger Tharerwirt Peter Sigmair, der von den Franzosen hingerichtet wurde und sein Leben opferte, um das seines Vaters zu retten.

Diese Freiheitskämpfer, sagte Neubauer, stünden für die Tugenden „Ehre, Treue, Gottvertrauen und die Liebe zum Land Tirol! Andreas Hofer würde seine heutigen volkstumspolitischen Ziele nicht weniger hoch ansetzen als er es vor 200 Jahren tat. Deshalb sind wir ihm auch heute verpflichtet. Sein Erbe muss uns Auftrag und Verpflichtung sein.“

Seltsame Gedenkmesse in Gries

Wie der „Südtiroler Heimatbund“ (SHB) in einem Pressedienst mitteilt, hatte die Schützenkompanie Major Josef Eisenstecken in Gries zu einer Andreas Hofer-Gedenkfeier eingeladen, die traditionsgemäß auch mit einer Messfeier verbunden war.

Der eine offenbar sehr zeitgeistige Linie vertretende Pfarrer Dr. Ulrich Kössler sprach sowohl bei der Messfeier wie bei der anschließenden Kranzniederlegung nur allgemein von den Gefallenen aller Kriege und vermied jegliche Erwähnung der Freiheitskämpfer.

Er erinnerte weder an jene von 1809, noch an jene der 1960er Jahre einschließlich des Grieser Fahnenleutnants Luis Amplatz. Der Pfarrer fand es auch nicht der Mühe wert, an einen berühmten Mitstreiter Andreas Hofers zu erinnern, dessen Schicksal sich in Gries vollendet hatte: An Peter Mayr, der nur einige Hundert Meter von der Grieser Stiftskirche entfernt am 20. Februar 1810, am Todestag von Andreas Hofer, von den Franzosen erschossen wurde.

Viele Anwesende empfanden die Missachtung des Andenkens an die Freiheitskämpfer durch den Pfarrer durchaus nicht als Demonstration besonders christlichen Friedenswillens. Hier wurde ganz andere Kritik laut.

Dem Herrn Pfarrer sei für seine Weiterbildung die Lektüre nachstehender Dokumentation empfohlen!

Dokumentation zu dem Thema:

Was bedeutet uns Heutigen das Leben und Sterben des Andreas Hofer?

Authentisches Portrait Andreas Hofers (Gemälde von Placidus Altmutter)

Vor 209 Jahren, am 20. Februar 1810, wurde Andreas Hofer im Festungsgraben von Mantua von einem französischen Exekutionskommando, bestehend aus 12 Grenadieren und deren Kommandanten, dem aus Befort in Luxemburg stammenden Korporal Michel Eiffes, hingerichtet. Der napoleonische Vizekönig von Italien, Eugène Beauharnais, wollte Hofer das Leben retten, doch Napoleon befahl seinem Schwiegersohn persönlich die Exekution durch Erschießen:

„… verfüge augenblicklich die Bildung einer Militärkommission, die ihn aburteilen und erschließen lassen soll… All dies innerhalb von 24 Stunden.“

Der gefangene Andreas Hofer war für Napoleon noch eine Gefahr

Kriegsrat Andreas Hofers (Gemälde von Franz von Defregger)

Noch nach Hofers Niederlage und seiner Gefangennahme am 28. Jänner 1809 auf der Pfandleralm (durch Verrat wegen eines Judaslohns von 1.500 Gulden) erschien der Wirt vom Sandhof im Passeiertal dem mächtigsten Mann dieser Zeit als eine so große Gefahr, dass er ihn innerhalb von 24 Stunden erschießen ließ.

Was war es, das Napoleon so sehr fürchtete? Es war die Idee der Freiheit – und im Gefolge dieser Idee die offene Zuneigung in ganz Europa für Hofers Kampf, die ihn für Napoleon so hassenswert und vor allem politisch gefährlich machte. Napoleon wollte die Heroisierung eines lebenden Hofer verhindern. Durch das Urteil bewirkte er das Gegenteil! Hofers vorerst gescheiterter Kampf um die Tiroler Freiheit war ein Funke, der den Brand in Europa gegen den Diktator und selbstgekrönten Kaiser der Franzosen entfachen half.

Königin Luise von Preußen und Bettina von Arnim über Andreas Hofer

Königin Luise von Preussen

Bereits Zeitgenossen würdigten Hofers Charakter. Königin Luise von Preußen (10. März 1776, †19. Juli 1810) schrieb über Andreas Hofer folgende Gedanken nieder:

„Welch ein Mann dieser Andreas Hofer! Ein Bauer wird Feldherr, und was für einer! Seine Waffe – Gebet; sein Bundesgenosse – Gott. (…) Ein Kind an Gemüt, kämpft er wie die Titanen mit Felsstücken, die es von seinen Bergen niederrollt …“

Die Schriftstellerin Bettina von Arnim schrieb an Johann Wolfgang von Goethe: „Ach, lieber Goethe! Deine Zeilen kamen mir zu rechter Stunde, da ich eben nicht wußte, wohin mit aller Verzweiflung; zum erstenmal hab‘ ich die Weltbegebenheiten verfolgt mit großer Treue für die Helden, die ihr Heiligtum verfechten; dem Hofer war ich nachgegangen auf jeder Spur, wie oft hat er nach des Tages Last und Hitze sich in der späten Nacht noch in die einsamen Berge verborgen und mit seinem reinen Gewissen beratschlagt, und dieser Mann, dessen Seele frei von bösen Fehlen, offen vor jedem lag als ein Beispiel von Unschuld und Heldentum, hat nun endlich am 20. Februar zur Bestätigung seines großen Schicksals den Tod erlitten; wie konnt‘ es anders kommen, sollte er die Schmach mittragen? (…)“

Die Bürger von Mantua wollten Hofer freikaufen

Begüterte italienische Bürger von Mantua empfanden 1809 für Hofer eine derartige große  Zuneigung, dass sie Lösegeld für seine Freilassung anboten. Sie sahen in Hofer „einen Helden oder einen Heiligen“, wie Hofers Rechtsanwalt, Joachim Basevi aus Mantua, in seinem Tagebuch anmerkte. Basevi war von der Unschuld des „einfachen, redlichen Mannes“ überzeugt, dem „jede Lüge fremd ist“.

Heute noch erinnern in Mantua eine Gedenktafel, eine Stele und ein Denkmal an das Schicksal Andreas Hofers

„Auch wie schießt ihr schlecht! Ade mein Land Tirol!“

Am 20. Februar 1810 ging Andreas Hofer vor der Bastei der Festung Mantua mit einer aufrechten Haltung in den Tod, die sein letzter Beichtvater und Beistand im Tode, Giovanni Manifesti, der Propst und Erzpriester von Santa Barbara, bezeugte: „Con somma mia consolazione ed edificazione ho ammirato un uomo, ch’e andato alla morte come un eroe cristiano, e l’ha sostenuta  come martire intrepido.” („Ich bewunderte voll Trost und Erbauung einen Mann, der als christlicher Held zum Tode ging und ihn als unerschrockener Märtyrer erlitt.“)

Andreas Hofers letzter Gang. (Postkarte anlässlich der Hofer-Gedenkfeiern 1909)

Die Erschießung durch Militär fand nach festem Reglement statt. In Begleitung eines Priesters und unter Trommelwirbel wurde Andreas Hofer am Montag, 20.2.1809 um 10.45 Uhr, auf den Erschießungsplatz im Festungsgraben von Mantua geführt. Es wurde ihm das Urteil vorgelesen. Dann wurde aufgefordert, sich niederzuknien, es sollten ihm auch die Augen verbunden werden: beides verweigerte der 1,85 m große, kräftige und gefasste Hofer, er blieb stehen und sah den Soldaten des Erschießungskommandos in die Augen.

Die versuchte Erschießung von Andreas Hofer durch 12 französische Soldaten im Festungsgraben von Mantua (Gemälde von Leopold Puellacher, um 1820) sowie die Tötung Andreas Hofers durch den Korporal Eiffes (Zeitgenössische Darstellung)

 

In dem von Julius Mosen 1831 gedichteten Andreas-Hofer-Lied heißt es in der letzten Strophe:

„Und von der Hand die Binde nimmt ihm der Korporal, Andreas Hofer betet allhier zum letzten Mal; dann ruft er: „‘Nun so trefft mich recht! Gebt Feuer! Ach wie schießt ihr schlecht! Ade mein Land Tirol!‘“

Diese Darstellung war nicht der freien Erfindung des Dichters Mosen entsprungen, sondern hat einen realen Hintergrund, der nach der Erschießung im Volk bekannt gewesen sein muss.

Auf Kommando schossen die Soldaten auf den nur zehn Schritte entfernt stehenden Hofer. Auf diese sehr kurze Distanz kann normal kein Soldat fehlen. Aber auch Soldaten sind Menschen mit Nerven und Gewissen. Diese Soldaten zielten zwar, trafen Hofer offenbar unter starker Gemütsbewegung nur sehr schlecht, Hofer fiel auf die Knie, eine zweite Salve traf sein Gesicht, er brach zusammen, lebte jedoch noch, war schwer verwundet. Deshalb trat Korporal Eiffes auf Hofer zu, setzte den Lauf seines Gewehres an dessen linke Schläfe und erschoss ihn. Auch dieser Korporal muss unter der Ausführung des ihm erteilten Befehls sehr gelitten haben. In den Erinnerungen von Korporal Eiffes finden sich, laut der Buchautorin und Journalistin  Susanne Gurschler, nämlich sehr berührende Aussagen über Hofer:

„Diese Tiroler, ein Volk durchdrungen von der Liebe zur Freiheit und ihrer Heimath, muthig und voller Todesverachtung, besonders wenn es heißt, jene zu vertheidigen … Andreas Hofer, wie erhebend klingt dieser Name für einen jeden, der die Eigenschaften dieses Mannes zu würdigen weiß. Thränen kommen mir in die Augen, wenn ich von diesem tapferen Gebirgssohne singen oder sprechen höre.“ 

Wofür hatte Andreas Hofer gekämpft?

Die Antwort ist klar und einfach: Für die alten Freiheits- und Verteidigungsrechte Tirols, die in dem Freiheitsbrief von 1342 und im Landlibell von 1511 niedergelegt waren.

Der Tiroler Freiheitsbrief des Markgrafen Ludwig von Brandenburg von 1342 (Bild links) ist ein bedeutendes Verfassungsdokument der Grafschaft Tirol und sicherte die Rechte der Landstände. Das von Kaiser Maximilian 1511 erlassene „Landlibell“ (Bild rechts) war die älteste Wehrverfassung Tirols, welche alle Tiroler zur Landesverteidigung verpflichtete, sie dafür aber vom Kriegsdienst außerhalb des Landes befreite.
In den Napoleonischen Kriegen zog 1796 das Tiroler Landesaufgebot gegen den Feind. 1809 sollte Andreas Hofer das Landesaufgebot wieder zu den Waffen rufen.

Das Land Tirol kannte keine Leibeigenschaft. Der freie Bauer trug Waffen. Die Tiroler mussten zudem keine auswärtigen Kriegsdienste leisten, sondern nur das eigene Land und dessen Freiheitsrechte verteidigen. Zu diesen Freiheitsrechten, die Andreas Hofer mit dem Landesaufgebot verteidigte, hatte auch die Ausübung des Glaubens gehört.

Andreas Hofer im Kreis seiner Mitkämpfer am Vorabend der Schlacht auf dem Bergisel bei Innsbruck (Gemälde von Franz von Defregger)

Österreichische Offiziere bringen die sterblichen Überreste Hofers nach Tirol

1823 enterdigten österreichische Offiziere Hofers sterbliche Überreste in Mantua und brachten diese nach Innsbruck, wo sie in der Innsbrucker Hofkirche beigesetzt wurden.

Bild links: Die Enterdigung der Gebeine Andreas Hofers in Mantua (zeitgenössischer Stich). Bild rechts: Das Grabmal Andreas Hofers in der Hofkirche in Innsbruck. Die Fahne in der Hand Hofers trägt so lange einen Trauerflor, bis das Land Tirol in seinen alten Grenzen wieder vereinigt sein wird.

Erzherzog Johann verehrte den Tiroler Freiheitshelden

Erzherzog Johann von Österreich war ein großer Verehrer Andreas Hofers gewesen. Er liebte das Land Tirol, in welchem er seine späten Lebensjahre verbrachte. Im Jahre 1845 schrieb er, nachdem er wieder nach Tirol hatte zurückkehren können:

„Ich war wieder in Tirol, frei und unbehindert, dem Land angehörend durch Liebe und Treue, durch Besitztum, durch Weib und Kind. Jenem Land, von dem ich vor 15 Jahren eine Schachtel Erde holte, damit auf dieser einst mein Haupt im Grabe ruhe – wusste ich doch nicht, ob es mir einmal vergönnt sein werde, frei dasselbe zu betreten.“

(Aus Johanns Tagebuch von 1845. Zitiert bei Bernhard Wurzer: „Tiroler Freiheitskampf“, Schriftenreihe zur Zeitgeschichte Tirols, Bd. 5, Erw. Neuauflage, S. 89)

Johann hatte die Wiege des Freiheitshelden Andreas Hofer zu dessen Andenken auf sein Schloss Schenna bei Meran geholt. Dort ruht der Erzherzog, seinem letzten Wunsch gemäß, im Mausoleum des Schlosses, an seiner Seite ruhen seine Frau und sein Sohn.

Hofers Verfemung unter dem Faschismus und Nationalsozialismus

Unter dem faschistischen Regime, welches Südtirol bis hin zur Umwandlung der Orts- und Familiennamen italianisieren wollte, wurde selbstverständlich keine ehrende Erinnerung an Andreas Hofer geduldet. Aber auch in Nordtirol wurde der 1919 in Innsbruck gegründete „Andreas-Hofer-Bund für Tirol“, welcher laut seiner Satzung für den Schutz des deutschen und ladinischen Volkstums eingetreten war, im Jahre 1938 nach dem „Anschluss“ Österreichs verboten. Auch die alljährlichen Gedenkgottesdienste am Todestag Andreas Hofers im Wiener Stephansdom wurden nun untersagt. Hitler plante bereits die Preisgabe Südtirols an das faschistische Italien.

Andreas Hofer war noch im Jahr 1952 eine Gefahr für den italienischen Staat

In Südtirol war nach Kriegsende ebenso wie in der Faschistenzeit das öffentliche Zeigen der weiß-roten Tiroler Landesfarben ein strafrechtliches Vergehen. Die Polizei- und Justizbehörden stützten sich hierbei auf den Artikel 654 des „Codice Penale“, des nach wie vor in Geltung befindlichen Strafgesetzbuches aus der Faschistenzeit.

Diese Paragraph sah eine Gefängnisstrafe bis zu 1 Jahr für denjenigen vor, welcher sich in der Öffentlichkeit aufrührerischer Kundgebungen oder Ausrufe schuldig machte.

Am 27. April 1952 fand in Neumarkt eine Veranstaltung der Südtiroler Volkspartei (SVP) statt. Zu dieser Veranstaltung hatte Otto Thaler aus Tramin eine weiß-rote Tiroler Fahne mitgebracht. Sodann hatte sein Landsmann Johann Wiesthaler die Fahne im Versammlungssaal aufgehängt und überdies noch ein Bild Andreas Hofers in der Mitte der Fahne angebracht. Die beiden SVPler brachten zusätzlich noch einen roten Tiroler Adler an der Wand des Saales an.

Am 7. Oktober 1952 mussten sie sich vor dem Amtsrichter von Neumarkt, dem „Pretore“ Dr. Villacara, verantworten, welcher sie schuldig sprach.

Er verurteilte die beiden Männer nach dem Artikel 654 des „Codice Penale“ zu jeweils 4 Monaten Haft, bedingt auf 2 Jahre. Zudem wurden ihnen die aufgelaufenen Prozesskosten auferlegt.

In dem Urteil des „Pretore“ Dr. Villfranca wurde aus dem Angeklagten Johann Wiesthaler ein „Giovanni“ Wiesthaler. Bereits eingangs heißt es, dass die Angeklagten „aufrührerische Kundgebungen“ veranstaltet hätten, indem sie „die rot-weiße Tiroler Fahne“ und einen „roten Adler an einem der Öffentlichkeit zugänglichen Ort“ gezeigt hätten. Im „Zentrum“ der weiß-roten Fahne sei zudem „l’effigie di Andrea Hofer“ – das „Bild Andreas Hofers“ gezeigt worden.

In dem Urteil des „Pretore“ hieß es, dass die Handlungen der Angeklagten „die Prinzipien der Staatsverfassung“ missachtet hätten und überdies „feindselig gegenüber der Unversehrtheit, der Einheit und der Unabhängigkeit des Staates“ gewesen seien.

Es habe sich um eine Veranstaltung der SVP gehandelt, deren Ziele allgemein bekannt seien: „Rücksichtsloser Kampf gegen Italien und gegen die Italiener, welcher als Tiroler Irredentismus auf die Abtrennung des Alto Adige vom italienischen Vaterland abzielt“, um „die heiligen Grenzen der Nation zu missachten und zu zertrümmern.“

Tirol sei für die Leute dieser Partei „ein von Italien unterschiedliches und zu Italien im Gegensatz stehendes Land. … Ihre Nationalflagge trägt die weiß-roten Tiroler Farben und nicht jene der italienischen Tricolore.“

In Bezug auf die Anbringung des Andreas Hofer-Bildes hieß in dem Urteil des „Pretore“:

„Für die örtlichen Politiker stellt Andreas Hofer das Symbol für die Revolte gegen die Fremdherrschaft dar: damals gegen das napoleonische Regime, heute gegen Italien.“

Die Täter hätten in der Absicht gehandelt, „eine aufrührerische Kundgebung“ vorzunehmen, „in Übereinstimmung mit der Generallinie der Partei, deren Verfassung aufrührerisch ist.“ Daher seien sie zu verurteilen gewesen. (Eine Ausfertigung dieses Urteils samt Begründung wurde in der Folge nach Nordtirol gebracht und der Südtirol-Abteilung der Nordtiroler Landesregierung übergeben. Sie befindet sich heute in einer Aktensammlung im Tiroler Landesarchiv, Amt der Tiroler Landesregierung, Referat Südtirol, Jahr ca. 1957 – 1990, Karton 14.)

Die Schützen pflegen das Andenken an Andreas Hofer

In allen Landesteilen Tirol wird das Andenken an Andreas Hofer und sein Eintreten für die Freiheitsrechte des Landes vor allem durch die Schützen gepflegt und hochgehalten.

Die Schützen ehren Andreas Hofer auch in Mantua und legen dort Kränze an seinem Ehrenmal nieder. Sie werden dabei von den örtlichen Behörden und der Bevölkerung in Mantua auf das Freundlichste empfangen.

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